Nach Toreschluss - die Wochenendsatire der Wuppertaler Rundschau

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Melderegisterunfug

Es begab sich aber zu der Zeit, da Wuppertal digitale Modellkommune sein wollte, dass ein Herr vom Dönberg bei der Stadt einen einfachen Melderegisterauszug beantragte ...

Ich habe diesen Einstieg bewusst so gewählt, weil die behördliche Umsetzung dieses Begehrs dem Antragsteller tatsächlich biblische Geduld abverlangte. Dabei hatte er ausweislich seines Doktortitels sogar vorher eigens promoviert, um die nicht unkomplizierten Anweisungen rund um die Beantragung eines Melderegisterauszugs auf www.wuppertal.de verstehen zu können. Am Ende warf er aber dann doch voller Zuversicht einen Umschlag mit dem ausgefüllten Formblatt aus dem Internet, der Quittung seiner Vorabüberweisung für die fälligen Gebühren in Höhe von elf Euro und einem Begleitschreiben in den Briefkasten. Das war am 24. April.

Als nach drei Wochen weder eine Eingangsbestätigung noch der gewünschte Registerauszug angekommen waren, erlaubt sich der Dönberger, per Mail beim Einwohnermeldeamt nach dem Verfahrensstand zu fragen. Davon wird auf der Homepage der digitalen Modellkommune allerdings dringend abgeraten. Trotzdem wurde er überraschenderweise nicht sofort verhaftet, sondern bekam sogar eine automatische Eingangsbestätigung. Aber sonst auch nix.

Nun muss man wissen, dass eine einfache Melderegisterauskunft im wesentlichen daraus besteht, das einem der Vor- und Zuname und die aktuelle Adresse einer gesuchten Person genannt und mitgeteilt wird, ob sie noch lebt. Das erfordert offensichtlich eine behördliche Detektivarbeit, für die erst James Bond und Hercule Poiriot im Doppelpack verpflichtet werden müssen. Anders ist nicht zu erklären, dass auch weitere vier Tage später immer noch nichts da war.

Auf seine zweite Erinnerungsmail bekam der Antragsteller folgende Antwort der digitalen Modellkommune: „Bitte senden Sie uns die Anfrage und den Überweisungsbeleg im Anhang erneut zu. Sonst kann eine Zuordnung leider nicht erfolgen.“ Weil man also davon ausgehen muss, dass die überlasteten Mitarbeiter im Einwohnermeldeamt keine Mittagspause machen können und deshalb vor lauter Hunger Unterlagen aufessen müssen, die danach nicht mehr auffindbar sind, hatte der Antragsteller Mitleid und übermittelte den ganzen Sums am gleichen Tag noch einmal per Mail. Deren Eingang wurde mit dem Versprechen bestätigt, sie an den zuständigen Mitarbeiter weiterzuleiten.

Eine sehr gute Idee, die allerdings eine weitere Woche lang auch kein Ergebnis zeitigte. Also schrieb der Antragsteller am 24. Mai eine weitere Mail ans Amt, in der er höflich den bisherigen Ablauf schilderte und anfragte, ob er noch Hoffnung hegen dürfe, dass sein Anliegen irgendwann erledigt würde. Drei Stunden später erhielt er dazu folgende Auskunft des Amtes: „Nochmals, damit Ihr Anliegen hier bearbeitet werden kann, ist es wichtig, dass Sie Ihre Anfrage und den Überweisungsbeleg im Anhang erneut zusenden. Wenn diese Mail eingeht, wird sie umgehend bearbeitet.“ Das Ganze wie immer ohne Namen und mit „Ihr Einwohnermeldeamt“ unterzeichnet.

Ich ziehe den Hut vor dem Antragsteller, dass er seinerseits auch die nächste Mail noch „mit freundlichen Grüßen“ beendet hat. Darin formuliert er vorsichtig die Frage, ob es sich hier womöglich um einen Schildbürgerstreich handeln könnte und schickte den Gesamtvorgang per Post an den Oberbürgermeister.

Am 28. Mai lagen er und seine Frau sich dann in den Armen, als im Briefkasten die gewünschte Auskunft mit Abgangsstempel 24. Mai lag. Fünf Tage später kam sie nochmal - mit Abgangsstempel 28. Mai. Und einen Tag später traf auch die Antwort aus dem Büro des Oberbürgermeisters ein: Das Einwohnermeldeamt habe versichert, die Auskunft am 13. Mai (!) per Post rausgeschickt zu haben, der dargestellte Schriftverkehr sei also eigentlich überflüssig gewesen, wofür man sich entschuldige ...

Irgendwie keimt in mir der Verdacht, dass Wuppertal zwar eine digitale Modellkommune ist, verwaltungsintern aber nicht ganz so vorbildlich kommuniziert. Einzige andere Erklärung: Vielleicht hat die SPD den vermeintlichen Brief vom 13. Mai klammheimlich abgefangen, um im jetzt vom neuen CDU-Chef geführten Ressort, zu dem das Meldeamt gehört, Unruhe zu stiften. Damit wäre der Kommunalwahlkampf dann eingeläutet.

Bis die Tage!

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