Wochenendsatire Nach Toreschluss: Dörpfeld wäre stolz gewesen

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Dörpfeld wäre stolz gewesen

Die Rundschau sitzt ja am Johannisberg in Elberfeld gegenüber dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium. Von der Redaktion aus konnten wir daher aus dem Fenster vier Jahre lang live verfolgen, wie sich dessen dreijährige Komplettsanierung vollzogen hat, die folglich etwas länger dauerte als geplant.

Möglicherweise hat das an Kommunikationsproblemen gelegen. Es ist schließlich bekannt, dass am WDG immer noch Latein gesprochen wird, was die Verständigung mit dem dort tätigen Baufachpersonal erschwert haben dürfte.

Das 20-Millionen-Projekt wird am Mittwoch schon mal offiziell eingeweiht, obwohl es außen gar nicht fertig ist und noch reichlich an Fassaden und den Schulhöfen gewerkelt werden muss. Es kann natürlich auch sein, dass es sich bei den vielen Restarbeiten um eine Art Hommage an den Namensgeber Wilhelm Dörpfeld handelt, der bekanntlich Architekt und Archäologe war. Als Begründer des modernen Grabungswesens hätte er speziell an den Erdarbeiten auf dem großen Schulhof seine Freude gehabt, bei denen ungefähr so viel gebuddelt und gebaggert wurde wie bei der von Dörpfeld mit verantworteten Freilegung der Ruinen von Troja.

Schließlich sollen Teile dieser Außenanlagen in Zukunft auch als öffentliche Fläche von den Menschen im Quartier mitbenutzt werden können. Diese Nachbarschaft besteht zwar mangels Wohnbebauung im Wesentlichen aus der Belegschaft der Stadtsparkasse, die sich möglicherweise in Anzug oder Kostüm neben dem Sneaker und Cap tragenden Pausen-Publikum aus der Sekundarstufe I nicht ganz wohl fühlen wird. Aber trotzdem hat man sich mit dem Schulhof unvorstellbare Mühe gegeben. Die Arbeiten gipfelten in der Verlegung eines mehrere hundert Meter langen Pflastersteinchen-Bandes, dessen grob geschätzt 6.000 kleine Klötzchen ein einzelner Arbeiter mit einem Hämmerchen vermutlich nach Feng-Shui-Kriterien in organischer Form als Einfriedung für eine Weichboden-Wohlfühloase mit unendlicher Behutsamkeit über Tage hinweg in den Sandboden klopfte. Wenn man wie ich auf einem Schulhof groß geworden ist, bei dem man die Wahl hatte, ob man sich die Knie auf rissigem Asphalt oder doch lieber auf Waschbeton aufschlagen möchte, kann man da schon neidisch werden.

Sollte die Schule in einem fernen Jahrhundert von Archäologen ausgegraben werden, werden Forscher verzweifelt darüber grübeln, wie sich Wuppertal in der Epoche seiner großen Haushaltskrise so eine filigrane Handarbeit leisten konnte.

Diese Frage stelle ich mir übrigens auch, wenn ich mir angucke, wie es in anderen Schulen so aussieht. Als aktiver Sportler nutze ich fast wöchentlich die Turnhalle der Grundschule Thorner Straße. Dort hängt vor der Dusche der Jungen-Umkleidekabine seit mehr als einem halben Jahr ein Absperrband, wie es die Polizei an Tatorten benutzt, und ein Schild. Aufschrift: „Dusche gesperrt, Lebensgefahr!“ Das klingt nicht nach Wohlfühloase und Feng-Shui, sondern eher nach einer Menge Pfui.

Angeblich hat es da mal einen Wasserschaden gegeben und jetzt könnte was einstürzen. Wir wissen das aber nicht genau, weil wir wegen der Lebensgefahr nicht nachgucken können. Jedenfalls bleibt jetzt für Männlein, Weiblein und Diverse nach dem Sport nur die Dusche der anderen Umkleide. Wahrscheinlich ist das Inklusion, aber trotzdem indiskutabel.

Vielleicht hat der Mann mit dem Hämmerchen ja Zeit, demnächst mal die Dusche abzuklopfen. Nachdem er tagelang bei 45 Grad in der Sonne auf dem Schulhof wuckern musste, macht er der Stadt bestimmt einen guten Preis, wenn er mal drinnen arbeiten darf ...

Mehr von Wuppertaler Rundschau