Nach Toreschluss - die Wochenendsatire der Rundschau: Besser bechern!

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Besser bechern!

Früher ist man einen Kaffee trinken gegangen. Heute trinkt man einen Kaffee im Gehen. Ich habe allerdings nie genau verstanden, warum man Coffee to go braucht. Was ist so schön daran, nur noch eine Hand frei zu haben, sich die andere an einem viel zu heißen Pappbecher zu verbrennen und optional auch noch den Rest des Tages mit Kaffeeflecken auf der Juppe rumzulaufen, weil die braune Brühe getropft hat?

Ich vermute, dass dieser Trend ähnlich wie Donald Trump, Donuts, Energy-Drinks und andere Missstände aus den USA kommt. Weil in amerikanischen Krimis smarte Cops und Anwälte in Maßanzügen ihre Fälle im Gehen mit einem Becher Kaffee in der Hand zu lösen pflegten, wollten Wuppertaler Büroangestellte durch die mobile Einnahme von Heißgetränken einen ähnlichen Coolness-Effekt erzielen wie die TV-Vorbilder. Nur durch den Transport eines Pappbechers wird aber aus einer Versicherungs-Sachbearbeiterin leider noch keine Carrie Bradshaw aus „Sex in the City“. Statt des Images wächst nur der Müllberg in Deutschland, auf dem seit Beginn des To-go-Hypes zusätzlich knapp drei Milliarden Pappbecher und fast genauso viele Plastikdeckel und Rührstäbchen landen.

Früher gab es ja „draußen nur Kännchen“. Das fand ich ursprünglich mal richtig doof. Heute weiß ich, dass es eine verdammt gute Idee war ...

Wer unbedingt frischen Kaffee durch die Stadt schleppen möchte, kann das übrigens auch im eigenen Behälter oder in einem Pfandbecher tun, den vernünftige Coffee-to-go-Läden in Wuppertal ja auch anbieten. Das System hat sich aber noch nicht vollständig durchgesetzt. Wahrscheinlich, weil man noch keine US-Serie gesehen hat, in der ein CIA-Sonderermittler erst ein internationales Drogenkartell aushebt und dann in der Kaffee-Bar lässig seinen Tupper-Trinkbecher befüllen lässt.

Deshalb war ich auch froh über die Nachricht, dass es beim Elberfelder Cocktail am nächsten Wochenende eben diese Cocktails wieder ausschließlich in Pfandbechern und sogar mit Strohhalmen auf Zuckerrohrbasis gibt. In diesem Zusammenhang kann man sich mal fragen, wieso Halme aus Vollplastik eigentlich bis heute noch Strohhalm heißen. Da denkt man ja automatisch an gelbe Ähren, die sich wohlig im Wind wiegen. Strohhalm ist also ungefähr so beschönigend, als würde man zu einer Brandbombe Wurfheizung sagen.

Einigen wir uns lieber auf Trinkhalme, die beim Elberfelder Cocktail dann also biologisch abbaubar sind. Außer man kauft seinen Caipi oder Mojito nicht an einem der fünf Stände, sondern in angrenzenden Bars, die in den vergangenen Jahren immer schön weiter Plastik unters Volk brachten, während nebenan im Zeichen der Nachhaltigkeit gepfandbechert wurde. Vielleicht überlegen die sich das ja dieses Jahr anders. Oder Sie selbst stimmen einfach mit den Füßen ab und süppeln nur da, wo es keine Plastik Colada gibt. Das wär’ ein Cocktail nach meinem Geschmack“!

Bis die Tage!

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