Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Dötzchenfotoverbot

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Dötzchenfotoverbot

In dem Alter sind sie noch drollig - denken Sie das auch immer, wenn Sie die putzigen I-Dötzchen auf dem Weg zum ersten Schultag durch Wuppertal laufen sehen?

Da stehen die Kleinen dann mit großen Augen und riesigen Tüten im Arm vor dem Eingang zu einem neuen Leben. Wenn sie einige Jahre später vor dem Schultor stehen, dann haben sie vielleicht auch Tüten dabei, aber da ist dann schwarzer Afghane statt dunkler Schokolade drin.

Die I-Dötzchen freuen sich sehr auf die Schule. Das ist verständlich, weil man dort ja für das Leben lernt. Zum Beispiel dass ein Satz im Deutschen inzwischen aus Subjekt, Prädikat und stark vereinfachtem Objekt besteht („Isch geh Schulhof“) oder wie man Pornofilmchen auf dem Smartphone gucken kann. Erfreulicherweise bekommt Wuppertal gerade weitere Mittel zur Digitalisierung der Schulen, so dass ab 2020 voraussichtlich in allen Klassenzimmern schnelles Internet und W-Lan verfügbar ist und die Videos nicht mehr so ruckeln.

Sollten die Schüler allerdings in etwas abgelegenen Ecken in der Kohlfurth, in Beyenburg oder am Dönberg wohnen, dann werden sie anschließend zu Hause nicht mehr zurecht kommen, weil Wuppertal in diesen Ecken Probleme mit dem Breitbandausbau hat. Es gibt immer noch 2.000, zu denen die Datenpakete nicht durch Glasfaserkabel, sondern am Rücken von Weinbergschnecken befestigt transportiert werden. Für die Informatik-Hausaufgaben braucht man da länger als fürs ganze Abitur.

Übrigens ist es ja so, dass der erste Schultag eines Kindes innerhalb des Familienlebens inzwischen Dimensionen angenommen hat, als würden die Köttel nicht zur Penne, sondern auf eine Marsmission ohne Wiederkehr gehen. Tränenreiche Abschiede und Feierlichkeiten wie nach der Promotion an der Harvard-Universität sind heute nicht unüblich. Umso schlimmer ist, dass keiner so genau weiß, ob man am ersten Schultag noch Fotos von den I-Dötzchen-Klassen machen darf. Wegen Datenschutz und Recht am eigenen Bild ist das Fotografieren an einigen Schulen sogar ganz verboten worden.

Ich finde das drollig: Da versuchen wir heute verzweifelt höchst offiziell das Ablichten von Kindern zu verhindern, die in wenigen Jahren völlig freiwillig sogar Selfies mit Windpocken oder übergroßen Eiterpickeln mit einer Milliarde Instagram-Nutzern auf der ganzen Welt teilen werden. Nur ein schönes Klassenfoto haben sie dann nicht. Ich warte eigentlich nur noch darauf, dass die ersten Elternpflegschaften Cartoonisten engagieren, die ein Bild der Klasse 1a zeichnen, damit es wenigstens irgendein Erinnerungsstück gibt ...

Leid tun mir bei der ganzen Angelegenheit die Schulleiter, die irgendwie entscheiden müssen, wer wo wann wen warum nicht fotografieren darf. Dazu fand ich bei der Recherche einen Satz für die Ewigkeit, den das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein formuliert hat. Es weist Schulleiter auf folgenden wichtigen Umstand hin: „Veranstaltungen der Schule sind im schulrechtlichen Sinne immer schulische Veranstaltungen.“ Ach so.

Möglicherweise müssen wir nicht nur unsere Daten schützen, sondern vor allem unsere Gehirne vor dem unfassbaren Schwachsinn, der daraus resultiert.

Bis die Tage!

Mehr von Wuppertaler Rundschau