Nach Toreschluss - Rundschau-Wochenendsatire: Mein Friedrich-Wilhelm

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Mein Friedrich-Wilhelm

Vor ein paar Jahren habe ich mal gelesen, dass es Unterschriftendesigner gibt. Die helfen Menschen schon für wenige tausend Euro dabei, einen neuen, schicken Friedrich-Wilhelm zu lernen, mit dem sie künftig beim Abzeichnen irgendwelcher Dokumente Eindruck machen können.

So jemand brauche ich demnächst wahrscheinlich auch. Aber nicht, weil ich auf dicke Signatur machen, will, sondern weil meine Unterschrift nirgendwo mehr reinpasst.

Dazu muss man wissen, dass ich mir bereits mit ungefähr 14 Jahren eine überaus abstrakte Unterschrift für mich ausgedacht habe, um trotz eines nicht unerheblichen Pickelbesatzes im Gesichtsbereich wenigstens ein bisschen cool zu wirken. Ich musste dann zwar feststellen, dass man mit 14 im Tagesgeschäft gar nicht so sonderlich viele Papiere unterschreiben kann, habe die Unterschrift aber trotzdem behalten.

Nun ist es aber so, dass der Name Trapp ja relativ kurz ist und nach überragendem Beginn mit dem großen und ausladenden T dramatisch zum Doppel-p hin abfällt. Das führte seinerzeit zu einer schwungvoll-abstrakten Signatur-Kreaktion von erstaunlicher Höhe bei maximaler Kompaktheit in der Ausdehnung. Zumal ich meinen Vornamen, den sowieso kein normaler Mensch auf Anhieb versteht, dabei mit „R.“ abgekürzt habe.

Mit dieser Unterschrift wäre ich bestens und höchst respektiert durchs Leben gekommen, wenn die Finanzwelt nicht irgendwann Scheck- und Kreditkarten erfunden hätte, auf denen sich vorgegebene Felder zum Unterschreiben befinden. Auf meiner neuen Kreditkarte, die jetzt ankam, ist dieses Feld exakt einen Zentimeter hoch und acht Zentimeter breit. Damit ist es ideal für Menschen mit Namen wie Malte-Maximilian Flachmann, die ebenfalls achtmal so lang sind wie hoch und keine Buchstaben mit Unterlängen im Programm haben.

Als Trapp steht man dagegen vor dem Problem, dass mein schönes Unterschriften-Kunstwerk ungefähr zwölf Zentimeter hoch wird, wenn ich es auf acht Zentimeter Breite ausdehnen will.

Mir fehlen auf der Kreditkarte also ungefähr elf Zentimeter Platz, um so zu unterschreiben, dass die Signatur anschließend auch irgendwas mit der zu tun hat, die ich auf den Kaufbeleg kritzele, wenn ich die Karte einsetze. Ziemlich ratlos starrte ich daher diesen Signaturtodesstreifen an, als mir auf dessen schräg-bunter Hintergrundbedruckung plötzlich etwas ins Auge fiel: Sind da möglicherweise hauchzarte Andeutungen von Strichen drauf? Hat das Ding etwa schon jemand anderer unterschrieben? Forensische Untersuchungen mit der Lupe legten nahe, dass es sich in der Tat um eine Art Zeichnung unbekannter Herkunft handeln könnte, die einen kleinen Teil des sensiblen Feldes in Beschlag nimmt.

Ich rief bei meinem freundlichen Bankberater an, um den Missstand anzuzeigen, und erfuhr Ernüchterndes: Bei dem Gebilde handele es sich um meine eigene Unterschrift, die man dort bereits mittels der elektronisch beim Kreditinstitut hinterlegten Probe eingedruckt habe. In der Tat erinnerte ich mich dunkel, im Rahmen der Kontoeröffnung auf einer Art Touchpad, wie man es auch von Paketboten unter die Nase gehalten bekommt, den Versuch einer Unterschrift hinterlassen zu haben. Dank der schwierigen und wackeligen Handhabung hatte das Ergebnis Ähnlichkeit mit einer Mischung aus phönizischer Keilschrift und dem Versuch eines Dreijährigen, einen Hasen zu malen. Wenn man dann noch vier Fünftel abschneidet, kriegt man das, was jetzt auf meiner Kreditkarte steht ...

Ach, da kommt gerade mein Kollege, der beim Einwohnermeldeamt einen neuen Personalausweis beantragt hat. Man habe ihn dort nach dem ersten Versuch gebeten, doch auf dem vorgesehenen ellenlangen Feld bitte viel breiter zu unterschreiben. Sonst könne man das hinterher auf dem Ausweis nichts mehr lesen. Vielleicht kriegen wir beim Unterschriftendesigner ja Mengenrabatt, wenn wir zusammen hingehen ...

Bis die Tage!

Mehr von Wuppertaler Rundschau