Nach Toreschluss - die Wochenendsatire der Rundschau: Der Ampel-Fuchs

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Der Ampel-Fuchs

In Düsseldorf gibt es jetzt neue Umweltspuren. Die dürfen nur Autos mit Fahrgemeinschaften nutzen, die mindestens drei Personen umfassen, auf dass sich der Landeshauptstädter nicht wegen schlechter Luft den Seidenschal schützend vor den Mund halten muss. Weil trotzdem alle in die Stadt wollen, gibt es jetzt auf der einzig verbliebenen Spur Staus von der A46 ungefähr bis in die Altstadt.

Ob die die Luft besser wird, wenn die Autos hintereinander stehen statt nebeneinander fahren, weiß ich nicht. Aber dicke Luft gibt es deswegen auf jeden Fall. Zum Beispiel, weil eine gewisse Unsicherheit darüber herrscht, was eine Fahrgemeinschaft ist. So sollte eine Mutter Strafe zahlen, weil sie mit ihren beiden Kindern auf dem Rücksitz die Umweltspur genutzt hat. Ob es sich bei den Kindern um Personen und damit bei der Familie um eine Fahrgemeinschaft handelt, ist offensichtlich juristisch nicht genau definiert worden. Mit so einer exotischen Fahrzeuginsassen-Konstellation war aber auch in der Praxis kaum zu rechnen ...

Sollte es sich bei Kindern nicht um Personen handeln (obwohl es dafür ja gewisse Anzeichen in Form von Atmung und Sprache gibt), dann könnten sich die Betroffenen mit einem neuen Geschäftsmodell helfen, auf das in Düsseldorf schon dringend gewartet wird: Der bezahlte Beifahrer, den man am Beginn der Umweltspur gegen Entgelt zusteigen lässt, um den Wagen voll zu kriegen. Damit könnten wir Deutschland durchaus wieder in die Vollbeschäftigung führen. Im Straßenverkehr ist eben auch nicht alles logisch. Um das zu erkennen, muss man gar nicht nach Düsseldorf fahren. Vohwinkel reicht auch. Denn dort hat man die sehr nette Idee, den Fuchs als örtliches Wappentier und Sympathieträger als Ersatz für die üblichen Symbole in die Fußgängerampeln zu integrieren. Schließlich haben auch schon ganz viele andere Städte ihre eigenen Ampelmännchen: In Trier gibt es Karl Marx deshalb neuerdings nicht nur rot, sondern auch grün. In Ottos Heimatstadt Emden laden Ottifanten zum Überqueren der Straße ein.

In Mainz leuchten den Fußgängern Mainzelmännchen, in der Puppenkistenheimat Augsburg ein Kasperle und in Duisburg ein Bergmann. Für den Fuchs könnte es trotzdem eng werden, weil ein ähnlicher Versuch, in Barmen an der Adlerbrücke einen Tuffi als Ampelmännchen zu installieren, schon einmal gescheitert ist. Das Symbol sei nicht eindeutig genug, hieß es damals.

Das ist natürlich ein wichtiges Argument. Man stelle sich vor, ein Mensch steht in Vohwinkel an einer handelsüblichen Fußgängerampel, auf der oben ein sitzender Fuchs in Rot leuchtet. „Was soll ich jetzt bloß machen?“, wird er sich ratlos fragen. „Muss ich mich hinsetzen? Oder Foxtrott tanzen? Oder soll ich mir einen Hund kaufen, bevor ich über die Straße gehe?“ Solche Komplikationen kann man natürlich niemandem zumuten.

Und was erst, wenn die Ampel auf Grün springt und einen laufenden Fuchs ganz so wie im Vohwinkeler Wappen zeigt? Unbedarfte könnten ja daraus folgern, dass sie auf allen Vieren auf die andere Seite krabbeln sollen ...

Falls Ihnen das übertrieben erscheint, darf ich daran erinnern, dass ich schon vor Jahren an dieser Stelle über eine Broschüre gelästert habe, in der die Stadt Düsseldorf auf acht Seiten erklärt, wie man ihre aus unerfindlichen Gründen dreiphasigen Fußgängerampeln richtig benutzt. Darin steht der für mich bis heute unvergessene Satz: „Die Ampel springt auf Grün. Der ideale Zeitpunkt, um loszugehen ...“

Falls Sie sich an diese Geschichte gar nicht mehr erinnern können, dann kommen Sie doch einfach am Dienstag (29. Oktober 2019) um 18 Uhr ins Ronsdorf Carrée an der Lüttringhauser Straße 22-24. Dort darf ich bei einer Lesung im Rahmen der „LIT.Ronsdorf“ diese und andere alte und neue Glossen aus der Rubrik „Nach Toreschluss“ am Eiscafé Golosia vortragen. Der Eintritt ist frei und die Anfahrt ist ohne Umweltspurstau möglich. Besser wird’s nicht mehr ...

Bis die Tage!

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