Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Kampf gegen Nixismus

Wuppertal · In Deutschland wird im Moment nur noch über die zwei großen „G“ diskutiert: Gaspreise und Gesangsverbot für die Tonkünstler DJ Robin & Schürze. Letztere haben mit ihrem Ballermann-Song „Layla“ die Nation gespaltet, weshalb er jetzt mancherorts nicht mehr gespielt werden darf.

 Roderich Trapp.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Vor der Erstellung dieses vermutlich bei einem Kasten Bier in zwei Minuten auf der Heimorgel komponierten und bei einem weiteren Kasten mit schwachmatischem Text über eine Puffmutter versehenen Liedchens war das Duo weiten Teilen der Bevölkerung völlig zu Recht vollkommen unbekannt. Das wäre auch so geblieben, wenn man den beiden Rumtata-Artisten durch die Verbotsdiskussion nicht eine Gratis-Promotionkampagne organisiert hätte, die sie mit keinem Geld der Welt hätten kaufen können.

Selbst Menschen, die sonst nur Kammermusik aus dem Barock hören, kennen daher jetzt „Layla“ und neben Bach und Händel nun auch Robin und Schürze. Sie werden dabei festgestellt haben, dass sich Laylas natürliche Vorgängerin, die ebenfalls allseits bekannte Rosi aus dem Sperrbezirk mit der Telefonnummer 32-16-8, bereits im gleichen untiefen Themenfeld bewegte.

Wobei sich Rosi im Vergleich zu Layla was die musikalische Komplexität angeht ungefähr so verhält wie Mozart zu DJ Ötzi. Deshalb müsste man bei „Layla“ genau genommen nicht nur über Sexismus, sondern auch über Nixismus diskutieren. Darunter verstehe ich den Versuch, aus Sachen, die absolut gar nix taugen, mit Hilfe heißer Luft und sozialer sowie sonst wie erregter Medien Gold zu machen.

Möglicherweise wird es für Liedgut Marke „Layla“ ja irgendwann Warnhinweise geben, wie wir sie von den Zigarettenpackungen kennen. Da sind diese Schock-Bilder drauf, die Menschen vom Rauchen abhalten sollen. Nach meinen Erkenntnissen hat das bei den wenigen Nikotin-Freunden, die ich noch kenne, allerdings nicht so richtig gewirkt.

Die eine Hälfte hat sich hübsche Etuis angeschafft, in denen die Packungen unmittelbar nach Erwerb samt ihrer Abschreckungs-Botschaft verschwinden. Den anderen sind die Bilder von schwarzen Lungen oder freigelegten Karzinomen egal und Sprüche wie „Kinder von Rauchern werden oft selbst zu Rauchern“ beeindrucken sie auch nicht, weil man sich dann später ja einen Aschenbecher teilen kann.

Donnerstag erzählte mir eine Freundin noch von einer dritten Taktik. Sie sucht beim Zigarettenerwerb gezielt nur Packungen mit denjenigen der mehr als 40 Präventions-Motive aus, die sie nicht stören: „Appe Zehen, andere Stummelgeschichten und alles, was so wegfault, will ich nicht. Organe, Kieferdeformationen und Särge auch nicht. Schnuller mit Zigarette drin und die Frau mit dem Bluthusten sind aber okay.“

Aufs Musikbusiness übertragen bedeutet das: Die Leute hören sowieso, was sie wollen. Im Fall von „Layla“ helfen daher Verbote auch nicht. Ich würde es stattdessen einfach mal mit Weghören versuchen. ...

Bis die Tage!

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