Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Barmer Krippen-Skandal?

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Barmer Krippen-Skandal?

Es ist ja nicht unbekannt, dass der Wuppertaler gerne moppert. Trotzdem waren wir diese Woche doch über einen Hinweis sehr erstaunt, mit dem uns ein Anrufer auf einen Skandal biblischen Ausmaßes aufmerksam machen wollte.

Er bemängelt, dass in der Krippe auf dem Barmer Weihnachtsmarkt drei weiße Könige dem Jesuskind Geschenke darbringen. Dat sei unmöchlich, denn einer der drei habe zwingend ein schwarzer König zu sein, sonst wäre dat knatschverkehrt. Er habe sich auch bei Weihnachtsmarktbesuchern umgehört, ob denen an der Krippe etwas auffalle, aber stets abschlägige Antworten bekommen. Da könne man sehen, wie weit es mit der Verrohung schon gekommen sei. Und seine Anrufe in den letzten drei Jahren beim für den Markt zuständigen Schausteller-Chef mit der Forderung nach Austausch der fehlfarbenen Figur gegen eine dunkelhäutige hätten auch nichts gebracht ...

Dieser Problemkomplex war uns in der Tat bisher nicht bekannt. Nun muss ich an dieser Stelle einräumen, dass ich nicht bibelfest, sondern eher ziemlich bibelwackelig bin. Ich kenne zwar Matthäus 3:1 bei der WM 1990 gegen Jugoslawien (Rechtsschuss nach fantastischem Solo), bei Matthäus 2, 1-12 muss ich allerdings passen. Dort steht aber in der Bibel die Geschichte von den Sterndeutern aus dem Osten, die dem neu geborenen König der Juden Geschenke bringen wollen. Eine kurze Recherche auf einschlägigen Internetseiten wie evangelisch.de ergibt jedoch, dass in der Bibel nirgendwo erwähnt ist, wie die Besucher aussahen, ob es wirklich drei waren oder wie sie geheißen haben. Dass sie uns heute unter Kaspar, Melchior und Balthasar geläufig sind, hat sich irgendjemand im Mittelalter ausgedacht.

In Syrien heißen sie übrigens Larvandad, Hormisdas und Gushnasaph, was schon zeigt, dass es da einen gewissen Gestaltungsspielraum gibt. Und die Syrer sind ja am Herkunfts-Morgenland der „heiligen drei Könige“ deutlich näher dran als wir. Wenn man historisch besonders genau arbeiten möchte, könnte man nebenbei bemerkt auch am Jesuskind in der Barmer Krippe Kritik üben. Es sieht nämlich aus wie ein sehr großer Weckmann mit der üppig gelockten Frisur der Popsängerin Shakira und hat keinerlei Ähnlichkeit mit einem handelsüblichen Baby wenige Tage nach der Geburt.

Im Grunde sind wir auch froh, dass der Beschwerdeführer offensichtlich nichts von der Aktion der katholischen Citykirche mitbekommen hat, die 2014 drei Könige in Form mannshoher, viereckiger Klötze durch Wuppertal touren ließ. Diese Klötze waren rot, blau und grün, was im Sinne der vorgeblich reinen Königs-Farbenlehre ein noch größerer Skandal ist.

Trotzdem nehmen wir den Leser-Hinweis natürlich ernst, zumal man auch den schrecklichen Verdacht haben könnte, dass bei der Gestaltung dieser biblischen Szenerie dunkelhäutige Menschen bewusst ausgegrenzt wurden und es sich hier möglicherweise um eine NPD-Krippe handelt. Aber vielleicht ist ja einer der Könige in Wirklichkeit doch schwarz und nur durch herumfliegenden Puderzucker vom gegenüber liegenden Waffelstand am Haupte eingeweißt worden. Man weiß (das Verb passt hier sehr gut!) es nicht genau.

Vorschlag zur Güte: Um auf Nummer sicher zugehen und in keine Fettnäpfchen zu treten, könnte man doch bei Standox fragen, ob die eine Dose schwarze Autofarbe sponsern und damit einen König umlackieren. Aber vielleicht ist das ja sogar schon passiert. Gestern war doch Black Friday ...

Bis die Tage!