Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Monday for Mopperer

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Monday for Mopperer

„Krautfanding - wat is dattann?“, fragte mich neulich ein Wuppertaler Senior, der irgendwo das englische Wort für die immer populärer werdende Form der Schwarmfinanzierung von Projekten gehört hatte.

Eigentlich heißt es natürlich Crowdfunding. Aber bei dem Versuch, das Wort richtig auszusprechen, kriegen ältere Wuppertaler automatisch einen Zungenkrampf. So ähnlich wie bei Bridnäi Schpiehrs oder Brutz Willis.

Neben Krautfanding gibt es neuerdings aber auch Krautkrakeeling. Zum Beispiel, wenn die Wuppertaler Stadtwerke so wie jetzt gerade ihre Strompreise erhöhen. Die Reaktionen darauf legen nahe, dass die Menschen den Stadtwerken unterstellen, die elektrisch geladenen Teilchen demnächst einzeln mit dem Rolls-Royce zum Verbraucher transportieren zu lassen. Tatsächlich liegt die Erhöhung aber im Wesentlichen daran, dass die Regierung die Umlage zum Ausbau der erneuerbaren Energien saftig erhöht hat. Von dieser Energie wünschen sich Millionen Klimafreunde in Deutschland eigentlich möglichst viel, außer sie sollen dafür bezahlen. Wenn Klimaschutz nämlich Geld kostet oder lästig wird, dann wird aus Friday for Future ganz schnell Monday for Mopperer.

Meine Oma hat nicht umsonst immer gesagt: „Der Mensch issen ziemlich fuhlen Strick.“ Leider musste ich jetzt feststellen, dass viele meiner Kollegen diesen wunderschönen Wuppertaler Begriff gar nicht mehr kennen. Tatsächlich findet sich selbst im Internet keine Spur davon. Wenn man „fuhler Strick“ googelt, kommen Links zu einem Wollgeschäft am Bodensee oder zu den selbstgestrickten Nestern für Schlafmäuse, die eine Wildstation in Wiesbaden erfunden hat. Der fuhle Strick war also möglicherweise sogar zu faul, sich in einschlägige Online-Lexika einzutragen und steht damit jetzt unmittelbar vor dem Aussterben.

Das wäre schade, weil wir ihn eigentlich noch richtig gut gebrauchen können. Zum Beispiel für frisch gebackene Eltern, die zu faul sind, sich selbst Gedanken über den Namen ihres Kindes zu machen und lieber im Internet einen Suchen. Dazu stellt die Seite „vornamen.com“ praktische Hitlisten mit den beliebtesten Exemplaren zur Verfügung, bei denen man sich dann einfach einen aussuchen kann, ohne groß überlegen zu müssen.

Auf Rang drei rangiert 2019 bei den Jungennamen aktuell übrigens „Archie“, was mutmaßlich nur an der Geburt des gleichnamigen royalen Babys in England liegen kann. Fuhle Stricke in Wuppertal, die sich davon inspirieren lassen, muss ich aber warnen: Archie Mountbatton-Windsor (bei uns Atschi Mauntbäön-Winzer gesprochen) hört sich deutlich überzeugender an als Archie Kottenströter.

Bei den Mädchen überraschte mich Platz zwei: Dort liegt - noch vor Anna, Sarah und Laura - der Name „Cataleya“. Ich hätte „Cataleya“ bisher nicht für einen Vornamen, sondern eher für eine neue Handcreme oder eine karibische Insel gehalten. Es soll sich aber um die als Name offensichtlich nun auch bei uns populäre Bezeichnung für eine südamerikanische Orchideenart handeln.

Nun kenne ich persönlich nur eine überschaubare Zahl von Wuppertalerinnen, die mich spontan an wunderschöne exotische Pflanzen denken lassen. Insofern sollte man auch diesen Namen nur mit Bedacht wählen. Wenn Cataleya Kottenströter eher aussieht wie eine Distel mit Pickeln und ihr Bruder Archie so ein fuhler Strick ist, dass er in der Englisch-Arbeit eine Sechs kriegt, wird die Sache schnell unfreiwillig komisch.

Bis die Tage!

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