Nach Toreschluss – die Wochenendsatire : #Nikolaus macht Druck

Oh du fröhliche, oh du selige gnadenbringende Weihnachtszeit? Das kann man so nicht mehr stehen lassen, wenn man sich die Ergebnisse einer neuen Forsa-Umfrage anguckt: Demnach fühlt sich jeder Dritte Deutsche zwischen 18 und 29 Jahren von Weihnachtswünschen, die über WhatsApp und soziale Medien geteilt werden, extrem unter Druck gesetzt.

Das kann man nachvollziehen, wenn man sich Instagram anguckt. Falls Sie das nicht kennen: Instagram ist das führende soziale Netzwerk, in dem Menschen bunte Bildchen und Videos austauschen und dabei die ganze Welt daran teilhaben lassen, wie sie ihre Wohnung dekorieren, ihr Mittagessen kochen oder die Hornhaut am Fußballen wegraspeln. Besonders beliebte Instagrammer nennt man auch Influencer, wobei der Name völlig zu Recht an die verbreitetste epidemische Erkrankung angelehnt ist.

Influencer weisen beim Raspeln der Hornhaut unauffällig darauf hin, dass selbiges mit der supi-coolen Fußfeile der Qualitätsmarke Doktor Föhlenz praktisch wie von selbst geht und dürfen im Gegenzug die Feile kostenlos behalten oder bei ausreichend Followern zusätzlich auch noch ein Schweinsvermögen als Honorar kassieren. Follower ist Englisch und heißt übersetzt so viel wie „Lemminge, die alles gut finden, was ihnen andere auf Instagram vorführen“.

Rührt sich etwa Heidi Klum auf Instagram einen Detox-Abnehm-Drink aus Algen, Seegras und Morchelextrakt an, kaufen sich selbigen am nächsten Tag mindestens zehn Prozent ihrer 6,9 Millionen Follower. Von denen wundern sich dann anschließend 100 Prozent darüber, dass sie erstens gar nicht abgenommen und zweitens saures Aufstoßen haben. Erstaunlicherweise wundert sich aber niemand, dass Heidi Klum den ekligen Saft in die Kamera hält, obwohl sie bei auf 1,76 Metern Größe verteilten 62 Kilo garantiert keine Abnehm-Drinks braucht.

Eine Darbietung auf Instagram nennt man übrigens Post, was eigentlich nicht passt, weil es sich um ein vergleichsweise schnelles Medium handelt. Möglicherweise ist aber auch dieses Wort schon von der Deutschen Post gesponsert, damit die endlich mal was hat, das gut ankommt.

Freitag war ja auch Nikolaus. Unter dem Hashtag #Nikolaus fand ich mittags bei Instagram 361.000 Posts. Darunter ein Pferd mit roter Mütze, das mich zu einem Weihnachts-Basar nach Lippstadt einlädt, den ich immer schon mal nicht besuchen wollte, die neue Geschmackssorte „Spicy Santa“ (Ho Ho hot ...) eines Gewürzherstellers, eine tolle Verlosung, bei der es ein rotes Regencape mit Kapuze speziell für Dalmatiner-Hunde zu gewinnen gibt, und das neue, ebenso preisgünstige wie achtsame Ü40-Power-Workout einer bayerischen Motivationstrainerin, mit dessen Hilfe ich Weihnachten garantiert eine gute Figur mache.

Insgesamt fühle ich mich von diesen Tipps nicht übermäßig unter Druck gesetzt, was die Statistik bestätigt: Nur jeder sechste Mensch über 50 macht sich Sorgen um Geschenke und in sozialen Netzwerke offenbarte Erwartungshaltungen und Geschenkideen. Obwohl: Das wasserabweisende Hundecape sah irgendwie schon schön kuschelig aus. Aber wo kriege ich bloß bis Weihnachten einen Dalmatiner her?

Bis die Tage!