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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Pantoffeltierchen-Krise

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Pantoffeltierchen-Krise

Wünsche frohes Fest gehabt zu haben. Dieses Jahr gab es ja keine weiße Weihnacht, sondern eine blaue, weil man das Wetter nur noch im Suff ertragen konnte. Das ist symptomatisch für das nächste Woche endende Jahrzehnt, in dem das Wetter generell das prägende Thema war. Ernster als beim Klima ist die Lage eigentlich nur noch bei der SPD und beim WSV.

Im Schatten solch zentraler Themenfelder bleiben andere wichtige Problemkreise oft völlig zu Unrecht gänzlich unbemerkt. Ich sage nur: Pantoffeln! Auf einen gravierenden Missstand im Zusammenhang mit der traditionellen Fußbekleidung für die Bewegung in den eigenen vier Wänden hat uns dieser Tage eine Rundschau-Leserin in einem ausführlichen Brief hingewiesen. Ihr Problem: Trotz intensiver Suche habe sie in ganz Wuppertal keine Pantoffeln kaufen könne, die nicht aus Filz, sondern aus Leder sind.

Nun muss ich einräumen, dass ich kein Spezialist für das Marktsegment Hausschuhe bin. Selbige bestehen nämlich ganz unabhängig von der Materialzusammenstellung traditionell nur aus Sohle und Vorderkappe, die in jeder erdenklichen designerischen Anordnung einfach erbärmlich aussehen. In Kombination mit braun-beigen Karomustern können sie sogar depressionsähnliche Symptome beim Betrachter hervorrufen. Würde Heidi Klum statt High Heels immer Pantoffeln tragen, hätte sie statt des knackigen Tom Kaulitz höchstens noch den 90-jährigen Tom Jones abgekriegt. Deshalb nehme ich vom Erwerb klassischer Hausschuhe grundsätzlich Abstand und habe so die von der Leserin angeprangerte dramatische Einschränkung des Angebots im Pantoffelsegment gar nicht bemerkt.

„In einem renommierten Schuhgeschäft konnte ich unter 20 verschiedenen Filzpantoffeln aussuchen“, lässt sie wissen, aber kein einziges Paar aus Leder oder einem anderen Material sei verfügbar gewesen. Dem Filzpantoffel aber wohne die Eigenschaft inne, schnell größer zu werden, so dass man sich dann mit ihm den Hals brechen könne ...

Als wäre das nicht schon schlimm genug, scheiterte sie auch beim Versuch, im Wuppertaler Einzelhandel eine schöne schwarze Hose nicht aus Jeansstoff, einen weißen Herren-Rollkragenpullover und eine Halterung für Papierrollen, die man in die Küche hängt, zu kaufen. Das sind niederschmetternde Nachrichten, auch wenn dem potenziellen Träger des weißen Rollkragenpullovers damit modisch eventuell einiges erspart bleibt. Grundsätzlich erschüttert das aber meine Überzeugung, dass man in Wuppertal alles kaufen kann und niemals woanders hin muss. Was ist da bloß los? Die Beschwerdeführerin spricht von „Planwirtschaft wie in der DDR“ und hält sogar verkaufsoffene Sonntage für gänzlich zwecklos, weil man ja sowieso nichts Vernünftiges bekomme. Nicht einmal eine Frisierkommode, die sie seit vielen Jahren vergeblich in den Prospekten der Möbelhäuser suche.

Auch Letzteres ist ein Bereich, um den ich mich zugegebenermaßen im ablaufenden Jahrzehnt viel zu wenig gekümmert habe. Die Versorgungslücke im Hinblick auf Kommoden mit dreiteiligen Spiegeln, in denen man sich auch von hinten sehen kann, ist mir verborgen geblieben, weil es mir völlig reicht, wenn ich von vorne alt aussehe.

Deshalb kann ich auch zu den Ursachen der Mangelerscheinungen bei Mode und Möbeln wenig sagen. Einzig für die Hausschuh-Problematik hätte ich eventuell eine Erklärung: Möglicherweise sind auch die bekanntlich für die Produktion der Schluffen zuständigen Pantoffeltierchen durch den Klimawandel vom Aussterben bedroht ...

Bis die Tage!

P.S: Sollten Sie dem Wuppertaler Einzelhandel angehören und unserer Leserin eventuell doch einschlägige Angebote im Segment, Pantoffeln, schwarze Hosen, weiße Herren-Rollkragenpullover, Küchenrollenhalter und Frisierkommode machen können, dann melden Sie sich bitte bei mir. Wir leiten das gerne weiter. Nicht, dass die Frau am Ende noch nach Düsseldorf fährt!