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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Lauter Vertunisse

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire : Lauter Vertunisse

Es gibt Wörter, die gibt es eigentlich gar nicht, aber sie existieren trotzdem. Zum Beispiel das schöne Wörtchen „Vertunis“, Das steht zwar nicht im Duden, aber auch wir hier in Wuppertal nehmen es gerne mal zur Hand, wenn eine Sache nicht so rund gelaufen ist, weil sich jemand dabei irgendwie vertan hat.

So ein Vertunis entdeckte ich diese Woche, als ich auf der Autobahn an Düsseldorf vorbei fuhr. (Reinfahren kann man ja wegen der Umweltspur nicht mehr.) Dort stand auf einem großen Schild vor einer der ortsüblichen Baustellen „Reissverschluß erst in 400m“.

Sofern Sie eine der letzten wirklich eindeutigen und simplen Regeln der deutschen Rechtschreibung beherrschen, wird ihnen das Vertunis aufgefallen sein: In diesem „Reissverschluß“ stecken gleich zwei Fehler im Hinblick auf das scharfe „s“. Nach dem Diphtong (das ist keine schlimme Krankheit, sondern ein Doppellaut aus zwei Vokalen) muss bekanntlich ein „ß“ kommen, nach dem kurzen Vokal „u“ dagegen ein Doppel-s. Das hat sich offensichtlich noch nicht bis zur Kö rumgesprochen, weshalb es zu dem „Reissverschluß“-Vertunis kam. Wenn Kinder im Auto sitzen und zwischendurch nicht auf ihr Handy, sondern auf dieses Schild gucken würden, hätten sie behördlich verfasstes, knatschverkehrtes Deutsch vor Augen. Da Kinder aber in der Praxis den Blick nur vom Smartphone abwenden, wenn sie notgedrungen mal schlafen müssen, hält sich der Schaden in engen Grenzen. Der eigentliche Triumph kam aber auf der Rückfahrt: Auf der großen A46-Baustelle an der Stadteinfahrt zu Wuppertal hinter Haan-Ost stehen diese Schilder auch – aber mit der völlig korrekten Version „Reißverschluss erst in 400m“. Es gibt also doch Sachen, die wir besser können als Düsseldorf.

Dazu zählt allerdings nicht das Herstellen sinnvoller Beschlussvorlagen für die Politik. Denn da gab es ja jetzt auch ein Vertunis im Ressort Straßen und Verkehr, das vor der Junior Uni keine Tempo-30-Zone einrichten wollte, weil die privat betrieben werde und deshalb rechtlich betrachtet keine schützenswerte Einrichtung sei. Das heißt übersetzt: Gehen die Kinder morgens in eine städtische Schule, dürfen sie nicht überfahren werden, nachmittags vor der Junior Uni dann aber schon. Dieses Vertunis ist immerhin noch aufgefallen, weshalb es Hoffnung gibt, dass man sich eventuell auch rechtlich darauf verständigen kann, private und öffentliche Kinder gleichermaßen nicht zu überfahren.

Ein kleines Vertunis ist auch, wenn man sich beim Telefonieren verwählt. Wenn sich allerdings Politiker bei der Abstimmung über den neuen Thüringer Ministerpräsidenten verwählen, ist das kein Vertunis, sondern Taktik. Nimmt der aus Versehen Gewählte dann die Wahl quasi aus Versehen auch noch an, ist das auch kein Vertunis, sondern erstens einfach nur bescheuert und zweitens eine Staatskrise. Die könnte dann ans Licht bringen, dass auch die eine oder andere Vorstandswahl der Parteien ein ziemliches Vertunis war....

Bis die Tage!