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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Eine sehr lange Leitung

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Eine sehr lange Leitung

In Wuppertal wird viel bewegt. Bis auf einen Stromkasten. Der liegt nämlich seit September 2019 direkt an der Adlerbrücke auf dem Rücken, weil ihn damals irgendwelche Birnemänner aus der Verankerung gerissen und umgeworfen haben.

Wer sowas macht, schubst auch kleine Kinder vom Nachttopf. Unabhängig davon wäre es vielleicht eine gute und nach menschlichem Ermessen für Fachleute auch durchaus realisierbare Idee, das Ding wieder aufzurichten, nachdem es die Polizei seinerzeit semiprofessionell mit Absperrband markiert hatte. Das dachte sich auch der Unterbarmer Bürgerverein und informierte deshalb im Oktober den technischen Dienst der Post über den Missstand.

Der versicherte, sich darum zu kümmern, was im Zeitalter der Call-Center (deutsche Übersetzung: Schwarzes Loch) bedeutet, das garantiert sofort zeitnah absolut gar nichts passiert. Darauf konnte man sich auch in diesem Fall verlassen, so dass im November ein zweiter Anruf des Bürgervereins ähnlich durchschlagenden Erfolg zeigte. Der Kasten lag weiter da und reckte täglich Hunderten Kindern der benachbarten Gesamtschule und den soeben frisch an der Brücke installierten Adlern seine blanken Kabel entgegen. Ähnliche Anblicke kennen wir aus Kriegsgebieten oder der dritten Welt. Ich sehe förmlich vor mir, wie Hunderte chinesische Touristen, die im Zuge des Engels-Jahres wenige Meter weiter aus dem Bus steigen, sofort mit ihren Kameras zum Kipp-Kasten rennen, weil sie denken, er sei Teil des Museums für Frühindustrialisierung.

Um das noch zu verhindern, schaltete der Bürgerverein im Dezember das Ordnungsamt ein und wies auf die Gefahrenstelle hin. Immerhin wird von solchen Installationen im allgemeinen eher abgeraten, bei uns liegen sie aber schon mal monatelang in der Gegend rum. Das Ordnungsamt reagierte - genau wie auf ein zweites Schreiben Mitte Januar - sofort gar nicht. Ein Hinweis an das Büro des Oberbürgermeisters bei einem städtischen Empfang half der Kiste auch nicht auf die Beine, so dass wir uns wohl dauerhaft an den Anblick gewöhnen müssen. Wenn wir allerdings schon bei der Reparatur eines kleinen Stromkastens so eine lange Leitung haben, dann bin ich mal sehr gespannt, wie das mit der digitalen Modellkommune klappt ...

Bis die Tage!