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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire der Wuppertaler Rundschau

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire : Minas, Midas oder Minus?

Am Montag wählt der Stadtrat einen neuen Beigeordneten für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Klimaschutz. Das ist bemerkenswert, weil bisher in Wuppertal im wesentlichen Stadtfehlentwicklung betrieben wurde. Und um die Wirtschaft hat sich im Rathaus sowieso vorsichtshalber nie mehr jemand gekümmert, seit die Verwaltung in den 90er Jahren selbst durch beeindruckende Misswirtschaft und Korruption bundesweit Schlagzeilen machte.

Möglicherweise musste der neue Dezernent deshalb auch per Headhunter gesucht werden. Headhunter heißt ja übersetzt Kopfjäger, was bedeutet, dass jemand gezielt auf Opfer Jagd macht, die wahrscheinlich freiwillig niemals nach Wuppertal kommen würden. Erlegt wurde im Zuge der Jagd ein Herr, der bisher in Thüringen gewirkt hat.

Jenem Bundesland, das zuletzt nicht nur durch Wurstkultur, sondern auch durch politische Hanswurste nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hat. Dort hat der neue Mann als Bauamtsleiter in Eisenach gearbeitet. Ich habe mir sagen lassen, dass man ihn ungern gehen lässt. Das gibt uns genauso Hoffnung wie sein Nachname. Der Mann heißt nämlich Minas und damit fast ganz genauso wie jener sagenhafte griechische König, der sich erfolgreich gewünscht hatte, dass alles, was er anfasst, zu Gold werde. So jemanden können wir hier natürlich richtig gut gebrauchen. Wenn der die Hand an die Bundesbahndirektion legt, sind wir in zehn Minuten alle unsere kommunalen Schulden los.

Nun ist es aber auch so, dass König Midas auf Dauer mit seinem Reichtum nicht glücklich geworden ist, weil ihm selbst das Leberwurstbütterchen oder ein Glas Bier durch Berührung zu Gold wurde. Deshalb hätte ihn seine Goldgier beinahe in den Hungertod getrieben. Und dass es für den Charakter von Städten auch nicht gut ist, wenn sie alles vergolden, sieht man ja an Düsseldorf. Also sollte man auch ins Kalkül ziehen, dass der Name des neuen Mannes nicht nur fast wie Midas, sondern auch beinahe wie Minus klingt. Das würde natürlich prima zu Wuppertal passen und dafür sorgen, dass die Erwartungen an ihn nicht ins Uferlose wachsen.

Immerhin muss sich Arno Minas um Wirtschaft, Stadtentwicklung und Klimaschutz gleichzeitig kümmern. „Barmen live“ ist ja bekanntlich „dat Fest mit alles“, Minas hat jetzt dat Dezernat mit alles, aber dabei den großen Vorteil, dass er auf allen drei Feldern praktisch bei Null anfangen kann. Gerade auch beim Klimaschutz, weil ja speziell das Klima im Verwaltungsvorstand gelegentlich schwer gestört sein soll.

Wo wir übrigens vorhin bei König Midas waren: Die Sage über ihn haben die Wuppertaler Bühnen aus gutem Grund nicht im Repertoire. Bei ihnen wird nämlich aktuell nichts zu Gold, sondern alles zu Schulden. Wenn ich es richtig verstehe, haben da zwar alle richtig gerechnet, nur das Ergebnis stimmt nicht. So ähnlich ist es mir früher im Mathe-Unterricht auch immer gegangen, wobei das den Lehrern relativ schwer vermittelbar war. Weil er über den Rechenfehler öffentlich geredet hat, wollen jetzt einige Leute, dass der Kulturausschussvorsitzende Köster zurücktritt. Das hätte in die Woche der Rücktritte aller Funktionsträger mit „K“ (Klinsmann, Kramp-Karrenbauer, Kemmerich, Kardinal Marx) gepasst.

Ich finde allerdings, dass man den Menschen, die schöne Künste mit ihren Steuergeldern finanzieren, durchaus mitteilen darf, wenn da mit der Kohle etwas im Argen liegt. Und dass es bei der städtischen Kultur in Wuppertal nicht nur auf der Bühne Theater gibt, sind die Bürger doch sowieso längst gewöhnt ...

Bis die Tage!