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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire der Wuppertaler Rundschau

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Lauft Brüder, kauft Brüder

Es gab ja immer schon Lieder, die zu bestimmten Zeiten irgendwie nicht ganz passend waren. Ich erinnere mich noch daran, dass nach dem Tsunami 2004 verständlicherweise kein Sender mehr den Hit „Die perfekte Welle“ spielen wollte. Daran muste ich denken, als mir diese Woche Andreas Bourani aus dem Autoradio die Zeilen „Wer friert uns diesen Moment ein, besser kann es nicht sein“ entgegensang.

Weil ich in diesem Augenblick das einzige Auto auf der A 46 war, wollte ich ihm sogar einen Moment lang Recht geben, aber beim Gang durch die leere Stadt vorbei an geschlossenen Läden und Kneipen legte sich das wieder. Besser passen würde sicher „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“ von Xavier Naidoo. Aber der geht ja auch nicht mehr, seit er selbst für RTL nicht mehr tragbar ist. Von selbst verbietet sich im Moment auch „Atemlos durch die Nacht“, bei diesem Symptom ist nicht mehr Disco, sondern Test angesagt. Apropos Helene Fischer: „Ich will immer wieder ... dieses Fieber spür‘n“ ist aktuell auch keiner der Songs, den die Leute abends um 20 Uhr beim Nachbarschaftskonzert auf dem Balkon singen.

„De Randfichten“ können im Übrigen ganz schön froh sein, dass sie ihren größten Hit schon 2004 und nicht 2020 hatten. Denn im Moment würde man mit dem Text „Das Hacken fällt ihm schwer und der Husten plagt ihn sehr / Weil‘s n‘ Michl doch so schlecht grad geht / Singen alle jetzt ganz leise dieses Lied: / Lebt denn der alte Holzmichl noch, Holzmichl noch, Holzmichl noch?“ bestimmt nicht 56 Wochen in die Charts, sondern mitten in einen Shitstorm kommen. Und irgendwie muss man ganz froh sein, dass Udo Jürgens nicht mehr mtbekommt, wie „Mit 66 Jahren“ nicht mehr das Leben, sondern die Risikogruppe anfängt. Vicky Leandros kann „Theo, wir fahr‘n nach Lodz“ auch vergessen, weil Polen ja keine Deutschen mehr einreisen lässt.

Stimmunsgsänger Peter Wackel arbeitet allerdings gerade an einer neuen Version seines bekanntes Ballermann-Hits und hofft auf ein Comeback mit „Scheiß drauf - Malle ist jetzt keinmal im Jahr!“. Mickie Krause hofft auf eine Chartplatzierung mit „Schatzi, schenk mir ein‘ Mundschutz“. Und „Dschinghis Khan“ sind auch wieder im Studio. Sie spielen gerade zur Melodie ihres legendären Grand-Prix-Songs eine neue Version ein:
„Klo-, Klo- Klopapier, lauft Brüder, kauft Brüder, immer wieder - lasst noch welches holen, oh ho ho ho, zur Not wird es gestohlen, ha ha ha ha, und der Teufel kriegt uns früh genug! Klo-, Klo-, Klopapier...“ Wenn das kein Hit wird, weiß ich‘s auch nicht ...

Bis die Tage!