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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire der Wuppertaler Rundschau

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Alle sauer auf die Mauer

Aus den Asterix-Comics wissen wir, dass die unbesiegbaren Gallier nur vor einem Angst hatten: dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Wuppertaler haben jetzt ein ganz ähnliches Problem: Wir haben Angst, dass uns der Döppersberg auf den Kopf fällt!

Genauer gesagt die neuen Mauern, die offensichtlich aus Steinen gebaut wurden, die in ihrer Struktur sehr trockenem Streuselkuchen gleichen und ähnlich wie selbiger zu extremem Bröseln neigen. Wer also mit viel Glück eine Bahnfahrt im ICE mit defekter Klimaanlage überstanden hat, ist nach dem Ausstieg in Elberfeld noch nicht an Schmitzbackes vorbei, weil er beim Verlassen der Bahnhofs-Mall von einem Stück Mauer erschlagen werden könnte ...

Willkommen in Wuppertal, der Stadt der ewigen Pechpilze, die sich jetzt für den Bau ihrer neuen Mitte Klötze unterjubeln ließ, die selbst Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer in ihrem Steinzeit-Steinbruch nicht mal auf der Resterampe verkauft hätten. Dank ihrer einem indischen Currygericht nachempfundenen Farbe waren die Mauern am Döppersberg ja bei der eher an Schiefergrau und Bergisch-Pepita gewöhnten einheimischen Bevölkerung noch nie sonderlich beliebt. Dass ihre Kruste aber ziemlich schnell auseinander- und uns auf den Kopf fällt, wenn es kalt und nass wird, stellt in einer Stadt, die für Kälte und Nässe berühmt ist, ein noch größeres Problem dar als die Farbe. Deshalb wird es über die Frage, wer diesen Bockmist eigentlich gebaut hat, jetzt garantiert gerichtliche Auseinandersetzungen geben.

Passend zum Juristen-Streit handelt es sich bei den Klötzen übrigens um Kalkstein aus dem Jura, der aus einer Lage des Steinbruchs kommt, die sonst nur Baumaterial für Gartenmäuerchen liefert. Und diese fragilen Klötzchen sind dann auch noch vom Schwippschwager des Subunternehmers vom Subunternehmer des Generalunternehmers so professionell eingebaut worden, dass auch ein Schulpraktikant im Gartenbaubetrieb das kaum besser hingekriegt hätte. Ungefähr so kann man das im sehr empfehlenswerten Gutachten über die Mauer nachlesen, das für Wuppertal eher ein Schlechtachten ist. Denn im Prinzip kann man demnach die ganzen Mauern nur abreißen und mit Steinen aus richtigem Stein neu bauen.

Ich stelle mir gerade vor, was dabei herausgekommen wäre, wenn diese Combo Schloss Burg errichtet hätte. Feindliche Eroberer hätten dann verdutzt vor dem Tor gestanden und sich gewundert, dass die ganzen gegnerischen Ritter schon tot zwischen großen Steinhaufen im Innenhof liegen ...

Außerdem habe ich irgendwie den Verdacht, dass die Steineklopfer auch am Bau der neuen Schwebebahnen beteiligt waren. Die fahren ja mittlerweile öfter in die Werkstatt als durchs Tal. Jetzt sind bei vielen schon die Räder kaputt, obwohl die monatelang wegen des kaputten Gerüstes stillgestanden haben. Die neuen Bahnen, die leiser sein sollten als früher, sind deshalb lauter als die Alten. Möglicherweise haben die Konstrukteure angenommen, dass die Räder nur für den Notfall da sind, weil das Ding ja Schwebebahn heißt ...

Zusammenfassend könnte man sagen: Läuft gerade nicht so gut für Wuppertal. Bisschen blöd nur, dass dieses „gerade“ irgendwie seit ungefähr 50 Jahren ist ...

Bis die Tage!