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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Der Mann mit der Maske

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Der Mann mit der Maske

Maskenpflicht. Sowas kannten wir sonst nur von der Kostümsitzung der Ka.Ge. unlustige Dörpelkuser. Jetzt haben wir sie plötzlich beim Einkaufen und stehen vor ungeahnten Herausforderungen.

Die beiden mir freundlicherweise zur Verfügung gestellten handgemachten Masken erwiesen sich als tückisch. Beginnend mit der Frage: Wo ist bei den Dingern eigentlich vorne, hinten, oben und unten? Das Hauptproblem war aber die Befestigung: Maske eins verfügt über ein Gummibändchen, das eigentlich nur hinter Ohren befestigt werden kann, die lang und schmal wie ein Spargel sind. Für Shrek, den sympathischen Zeichen-
trick-Oger, wäre sie ideal. Bei mir führt sie aber dazu, dass ich Schlappohren wie ein Cocker-Spaniel habe.

Maske Nummer zwei setzt dagegen zur Fixierung auf zwei Kordeln, die man hinter dem Kopf verknoten muss. Nun weiß ich nicht, wann Sie so ein Kunststück zuletzt versucht haben. Ich persönlich gab nach zehn Minuten, hundert ausgerissenen Haaren und zwei Krämpfen im Unterarm entnervt auf und griff mir den einfachen OP-Mundschutz, der in weiser Voraussicht ebenfalls seit einigen Tagen in unserem Haushalt vorrätig ist. Er schien mir allerdings größentechnisch eher für ärztliches Personal aus dem Volk der Pygmäen erschaffen und bedeckte deshalb nur Mund und Nase gleichzeitig, wenn ich nicht atmete und dabei möglichst auch nicht sprach.

Sprechen musste ich aber unbedingt, als ich beim ersten maskierten Supermarkt-Einkauf in einiger Entfernung einen Kumpel entdeckte. Da man ja kaum noch soziale Kontakte hatte, rannte ich überglücklich zu ihm hin, baute mich in zwei Metern Sicherheitsabstand vor ihm auf und rief ihm gewohnt launig zu: „Mensch, du alte Rübennase, bei deinem Kappes kann die Maske auch nix mehr versauen, woll!“ Leider handelte es sich bei näherem Hinsehen gar nicht um meinen Kumpel, womit einer der wenigen Vorteile der Maskenpflicht zum Tragen kommt: Wenn man sich grausam daneben benimmt, wird man in der Regel wenigstens nicht erkannt.

Trotzdem überwiegen bei den Masken die Nachteile. Schon weil man darunter nur mäßig Luft bekommt. Hoffentlich ersticken am Ende nicht mehr Menschen an Masken als an Corona. Außerdem stehen die Masken nicht jedem. Besonders kritisch wird es, wenn Leute die Masken kurzzeitig absetzen wollen. Dazu schieben sie manche gerne nach oben auf den Kopf, was nur begrenzt kleidsam ist. Drei Raucherinnen, die an einer Bushaltestelle warteten, erinnerten mich mit ihrem Look an Filmaufnahmen einer Zigartettenpause in einer russischen Kolchose Ende der 50er Jahre.

Auch das Fernsehen hat sich auf das Thema eingestellt. Der Unterhaltungshöhepunkt diese Woche war das Finale von „The Masked Singer“, bei dem erraten werden muss, welche Prominenten, von denen noch nie jemand gehört hat, hinter schrillen Masken zu singen versuchen. Und das zweite Programm will angeblich dieses Wochenende zwischen den zehn täglichen Corona-Specials aus Sicherheitsgründen in Dauerschleife den Krimi-Klassiker „Der Frosch mit der Maske“ zeigen, damit sich niemand mit guter Laune ansteckt. „Der Mann mit der eisernen Maske“ kam als Alternative nicht in Frage, weil die ungefähr fünfhunderttausend führenden deutschen Virologen davor gewarnt haben, dass die nicht luftdicht abschließt.

Und weil die Sportschau inzwischen auch gemerkt hat, dass das WM-Finale Deutschland gegen Argentinien auch bei der dritten Wiederholung zur besten Sendezeit jedes Mal 1:0 ausgeht, will sie heute erstmals wieder eine Liveübertragung anbieten. Natürlich unter Wahrung aller Sicherheitsauflagen und Hygienestandards: Deshalb boxt Henry Maske zu Hause im Fitnesskeller gegen einen Sandsack.

So, jetzt muss ich aber aufhören, weil mir beim Schreiben immer die Haare ins Gesicht fallen und ich die Tastatur nicht mehr sehen kann. Nächste Woche gehe ich mit meinem Mundschutz direkt zum Friseur, wenn der wieder aufmachen darf. Bin mal gespannt, wie der mir die Haare waschen will, wenn da lauter Kordeln drin sind ...

Bis die Tage!