Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Der vegane Schimanski

Wuppertal · Früher war alles besser? Das Wetter jedenfalls nicht, sonst hätte Rudi Carrell ja nicht schon 1975 „Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“ gesungen.

Roderich Trapp.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

In diesem musikalischen Meteorologie-Klassiker kommen die Zeilen: „Mein Milchmann sagt: ‚Dies‘ Klima hier, wen wundert‘s‘, denn Schuld daran ist nur die SPD“ vor. Diese Behauptung hat mich immer schon etwas irritiert. Andererseits ist die SPD ja heute auch wieder an der Regierung und kriegt in Sachen Klima nicht viel auf die Reihe ...

Besser war früher aber auf jeden Fall der „Tatort“ im Fernsehen. Meine Lieblingsfolge ist bis heute „Duisburg Ruhrort“, in der Horst Schimanski 1981 zum ersten Mal Teile des Ruhrgebiets in Trümmer legte. Deshalb war ich auch begeistert, als ich diesen Klassiker jetzt in der ARD-Mediathek entdeckte und drückte natürlich sofort auf „Play“.

Allerdings kam statt des legendären Vorspanns mit den Fadenkreuz und den blauen Augen erstmal eine Einblendung mit diesem Hinweis: „Das folgende fiktionale Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen mit diskriminierender Sprache und Haltung.“ Offensichtlich befürchten die öffentlich-bedächtigen Programmverantwortlichen also, dass speziell junge Zuschauer durch den Inhalt dieses Krimis zutiefst verstört werden oder ihn für einen realen Dokumentarfilm über das aktuelle soziokulturelle Milieu in Duisburg halten könnten.

In der Tat unterschied sich Horst Schimanski in Auftritt, Artikulation und Lebensführung ja nicht unerheblich von dem, was heute in der Generation Z gelebter Standard ist. Achtsamkeit kannte Schimmi nur im Hinblick darauf, dass genug Dosenbier im Kühlschrank ist. Sein Frauenbild war im Wesentlichen von hohen Absätzen geprägt. Und Veganer hätte er wahrscheinlich für eine außerirdische Mafiaorganisation gehalten.

Passend dazu trifft er in seinem ersten „Tatort“ schon nach einer Minute am Tresen einer finsteren Spelunke auf einen Zocker, der offensichtlich nach Knoblauch riecht. Für die daraus resultierende Anmerkung des Hauptkommissars im Hinblick auf den ethnischen Hintergrund der Leute, bei oder mit denen der Ausdünstende gespeist haben muss, würde heute jeder Intendant sofort fristlos entlassen.

Aus der Einblendung vor Filmbeginn darf man folgern, dass offensichtlich darüber nachgedacht wurde, solche Passagen zu bearbeiten. Schimanski würde dann sowas sagen wie „Oha – Knoblauch! Warst du wieder bei Freund*innen mit Migrationshintergrund und hast dort traditionelle Küche ihrer Herkunftsländer genossen?“

Wenn er dann noch in der Kneipe eine Veggie-Frikadelle bestellt und sich wegen der Suchtprävention nach dem ersten Schluck nicht den Schaum vom Pils, sondern die Reste von der laktosefreien Hafermilch aus dem Schnäuzer gewischt hätte, dann hätte man den Klassiker ganz ohne Vorwarnung laufen lassen können. Und wer wäre dann Schuld an dieser Verhunzung? Wahrscheinlich auch die SPD ...

Bis die Tage!

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