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Nach Toreschluss - die Wuppertaler Wochenendsatire: Promille-Promis

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Bei den Promille-Promis

Vielleicht kennen Sie auch den alten Witz, wo sich zwei Frauen unterhalten: „Wir halten jetzt eine Ziege im Schlafzimmer.“ - „Stinkt das denn nicht?“ - „Och, das wird die Ziege kaum stören ...“

An den musste ich diese Woche denken, als ich die Meldung über ein Urteil des Landgerichts Bayreuth las. Das hat diese Woche der Klage einer Frau stattgegeben, die sich über den stinkenden Ziegenbock im Garten ihrer Nachbarin beschwert hatte. Selbige müsse dafür sorgen, dass der auf den Namen Zoltan getaufte Hornträger nicht mehr unzumutbar ausdünste. Möglicherweise wäre ja tatsächlich die Haltung im Schlafzimmer eine Lösung ...

Nun ist es aber nicht so, dass wir in Wuppertal nicht auch schon mal Nachbarschaftsstreitigkeiten hätten. Mit Remscheid haben wir schon mehr Prozesse geführt als Angelina Jolie mit Brad Pitt. Und legendär ist auch ein Urteil des Landgerichts Wuppertal, das sich 1997 mit der Klage von Leuten beschäftigen musste, die sich von den beim Nachbarn während seines Toilettengangs produzierten Plätschergeräuschen gestört fühlten. Die Klage wurde abgewiesen. Da bekommt der Begriff „Pullala“ eine ganz neue Dimension ...

Richtig eskaliert sind die Streitigkeiten unter Nachbarn diese Woche auch im „Sommerhaus der Stars“. Das ist ein TV-Format, mit dem der nicht unbedingt für seinen Bildungsauftrag berühmte Sender RTL jedes Jahr neue Tiefpunkte der Fernsehunterhaltung kreiert. Dazu quartiert er Promi-Paare, die keiner kennt, gemeinsam in ein gammeliges Haus ein und lässt sich einfach mal überraschen, was passiert, wenn 16 Leute mit einem kumulierten Intelligenzquotienten im zweistelligen Bereich tagelang so eng aufeinander hocken.

Der Auftakt der aktuellen Staffel am Mittwoch machte bundesweit Schlagzeilen, weil sich mehrere Akteure erst jede Menge von RTL großzügig zur Verfügung gestellte Erfrischungsgetränke in Form von  Wein, Bier und Schnaps in die Gurgel gossen und sich anschließend an selbige gingen.

Ganz vorne dabei war der aus der Serie „Goodbye Deutschland“ bekannte Mallorca-Auswanderer Andreas Robens. Dabei handelt es sich um einen Hünen, der sich ausweislich seiner Sommerhaus-Performance schwerpunktmäßig von hochdosiertem Testosteron und ebensolchem Alkohol zu ernähren scheint. Seine Frau Caro musste den taumelnd und lallend durch das rustikale Anwesen im Münsterland marodierenden Muskelberg immer wieder davon abhalten, andere Bewohner „wegzumachen“.

Zum Glück bringt sie dafür eine gewisse Handfestigkeit mit, denn sie stammt aus Wuppertal und ist damit eine weitere bezaubernde Botschafterin der Schwebebahnstadt, die es zu einer gewissen TV-Präsenz gebracht hat. Das liegt vor allem daran, dass sie im Zuge ihrer Bekanntschaft mit Fitness-Studiobesitzer Andreas eine gewisse äußerliche Verwandlung durchgemacht hat. Heute sieht sie aus, als hätte man Tutenchamuns Mumie zum Bodybuilding geschickt. Gekrönt wird das Körpergesamtkunstwerk Caro von einem auf den Kopf tätowierten Einhorn, das eine Hantel mit Gewichten stemmt. Dieser Anblick  erklärt möglicherweise auch, warum der Gatte binnen kürzester Zeit neun Gläser Wein und ein paar Kurze trinken musste.

Angesichts der peinlichen Performance der Promille-Promis hat dann übrigens selbst RTL ein schlechtes Gewissen bekommen und Steffen Hallaschka gleich danach in „Stern TV“ mit großer Betroffenheit über das Thema Alkoholsucht diskutieren lassen. Einfacher wäre es natürlich gewesen, im Sommerhaus den Kühlschrank leerzuräumen und die Fünf-Liter-Weinkanister wegzusperren, aber das ist nicht so gut für die Quote.

Kleiner Tipp von mir für die Produzenten: Sperrt doch noch einen Ziegenbock ins Sommerhaus - das vergiftet die Atmosphäre bestimmt noch zusätzlich. Ich glaube, in Bayreuth ist gerade einer billig zu haben ...

Bis die Tage!