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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Zu alt für Twitter?

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Zu alt für Twitter?

Wuppertal hatte gerade 91. Geburtstag. In diesem gesegneten Seniorenalter ist es nicht ungewöhnlich, dass man mit Sozialen Medien nicht viel am Hut hat. Oder kennen Sie 91 Jahre alte Influencer, die ihr Leben täglich auf Instagram posten und in ihrem youtube-Kanal mit Werbung für Kukident die Rente aufbessern? Deshalb müsste man eigentlich auch großes Verständnis dafür haben, dass die Verwaltung dieser greisen Stadt keinerlei offizielle Social-Media-Aktivitäten entfaltet.

Unglücklicherweise sind aber alle anderen deutschen Großstädte viel älter und kriegen das trotzdem auf die Reihe. Das mehr als 2.000 Jahre alte Köln ist praktisch eine Mumie, der aber trotzdem 739.000 Fans folgen. Hamburg ist mit 1.500 Jahren noch deutlich frischer und deshalb mit über 1,2 Millionen Follower Social-Media-Spitzenreiter im Ranking der 20 größten deutschen Städten. Wuppertal ist da Letzter, was wir ja – mal abgesehen von der Niederschlagsmengen-Statistik  – auch auch von anderen Hitlisten gewöhnt sind.

Möglicherweise ist die Wuppertaler Stadtverwaltung aber einfach vorsichtig und wartet noch ab, ob sich Facebook, Youtube, Instagram und Twitter wirklich durchsetzen. Bei diesem neumodischen Daddelzeug weiß man das doch nie. Und dann müsste man ja bestimmt auch erstmal europaweit die Anschaffung eines Smartphones ausschreiben, damit man überhaupt ein Profil erstellen kann. Und wer soll überhaupt was posten? Bisher kennt sich bei der Stadt wahrscheinlich nur das Steueramt mit Beiträgen aus ...

Dabei wäre ein bisschen Social-Media-Aktivität ja vielleicht gar nicht so schlecht. Die Stadt könnte gerade politisch noch nicht so erfahrenen jungen Menschen dann mal in einem Post erklären, dass Kommunalwahl kein Meeresbewohner ist. Und wenn das Straßenverkehrsamt einmal die Woche drei Termine für eine Fahrzeugzulassung in einer Insta-Story verlosen würde, hätte man bestimmt auch ruckzuck die ersten 10.000 Follower. Falls dann das Ordnungsamt noch einen Rabattcode für Knöllchen nachlegt, haben wir Bochum mit seinen 41.000 Fans ruckzuck eingeholt und sind nur noch Vorletzter.

Auf youtube brauchen wir schnell noch ein Tutorial, wie sich sechs Fahrgäste im Schwebebahn-Ersatzverkehr auf drei Quadratmetern Platz ideal verteilen. Und das Medienzentrum entwickelt einen Instgram-Filter, mit dem graue Wuppertaler 50er-Jahre-Fassaden auf Fotos aussehen wie die bonbon-farbenen Häuser im Art-Deco-District in Miami. Dann ist Wuppertal plötzlich Influencer und wir rollen das Großstadt-Feld von hinten auf. So, wie es sich für eine digitale Modellkommune eigentlich gehören würde. Also: Nur Mut, Wuppertal, und ran an Twitter. An Donald Trunp sieht man doch, dass selbst Greise damit gut zurecht kommen ...

Bis die Tage!