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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Brausparen reloaded

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Brausparen reloaded

Rundschau-Redaktionsleiter Roderich Trapp hat frei, möchte aber die Freunde seiner wöchentlichen Glosse nicht im Regen stehen lassen. Deshalb recycelt er einen Beitrag aus dem Archiv, der wieder top-aktuell ist. 2014 hat die Brauerei Veltins nämlich versucht, mit ihrer Aktion „Brausparen“ den Absatz anzukurbeln. Aktuell gibt‘s das Ganze unter dem etwas uninspirierteren Namen „Mega-Chance“ wieder.

Endlich einmal eine schlechte Wuppertal-Nachricht, die Sie und mich nicht wirklich aus der Bahn wirft: Bei uns ist nämlich die Zahl der Einkommensmillionäre gesunken! Wir haben nur noch magere 53 Steuerpflichtige mit einem mindestens siebenstelligen Einkommen, teilt soeben das statistische Landesamt mit. Drei Jahre vorher waren es noch 61. Die acht unter die magische Grenze Abgerutschten sollten aber immer noch warm essen können, weshalb sich unser Mitleid in Grenzen hält.

Statistisch betrachtet gibt es damit unter 10.000 Wuppertalern einen ganzen und einen halben Einkommensmillionär. Demnächst wird die Quote allerdings wieder besser, weil ich mich gerade auch auf bestem Weg zum Einkommensmillionär befinde. Ich bin nämlich jetzt Brausparer. Diese lukrative Aktion von Veltins haben Sie bestimmt auch schon mitbekommen: Die Pils-Produzenten aus dem Sauerland bringen gerade sechs Millionen Euro in bar unters Volk. Um daran zu kommen, muss man nachgucken, ob unter dem Kronkorken der Code für einen Sofortgewinn zwischen einem und 100.000 Euro eingedruckt ist. Wie bei anderen Formen der Vermögensbildung auch ist die Geldvermehrung auf diesem Weg aber tendenziell mühsam, weil sich das Verhältnis von Gewinn-Korken zu Kronkorken-Nieten ähnlich verhält wie das der Wuppertaler Einkommensmillionäre zur Gesamtbevölkerung.

Da meine Frau aber bereits weite Teile der von Veltins ausgelobten Gesamtgewinnsumme in unsere mittelfristige Lebensfinanzplanung eingestellt hat, muss ich jetzt alleine so viel Pils picheln wie sonst eine ganze Kreisligamannschaft in zwei Wochen Ballermann. Der materielle Erfolg hält sich bisher trotzdem noch in Grenzen: Aktuell beträgt der Stand unseres Brausparkontos drei Euro. Ein Drittel dieses Gesamtvermögens entspringt dabei einem Kronkorkengeschenk mildtätiger Freunde, die von unserer Promilleönärsstrategie gehört hatten. Um den Ansparvorgang zu beschleunigen, habe ich also einige taktische Überlegungen angestellt.

Die naheliegende Idee, mit einem Flaschenöffner in den Getränkemarkt zu gehen und heimlich möglichst viele Pullen aufzumachen, musste ich leider verwerfen, weil sich meine Frau geweigert hat, das Personal abzulenken. Grünes Licht bekam ich aber für meinen Plan, die Flaschen unterschiedlicher Kästen nach dem Zufallsprinzip zu mixen. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass bei Veltins ein Flascheneinsortierer genau darauf achtet, jede Kiste allerhöchstens mit einem Gewinnkronkorken zu bestücken. Tauscht man also um, erhöhen sich die Chancen. Ein klitzekleines Problem des Flaschenroulettes besteht allerdings darin, dass man dabei natürlich auch das Risiko eingeht, eine 100.000-Euro-Pulle aus dem Kasten rauszutun und sie gegen eine Niete zu tauschen. Wenn man da lange genug drüber nachdenkt, muss man erst mal einen trinken.

Entsprechend unsicher habe ich diese Woche im Getränkemarkt hin- und her geräumt und hatte doch irgendwie kein gutes Gefühl. Dann kam mir urplötzlich die Erleuchtung: Natürlich würden die cleveren Brauherren die Flaschen mit den dicken Gewinnen möglichst ganz unten in ihren Lieferungen verstecken, damit man nicht so schnell dran kommt und die Spannung erhalten bleibt. Also entwickelte ich unmittelbar ein neues Konzept und barg unter Aufbietung übermenschlicher Kräfte eine schon leicht staubbedeckte Bierkiste aus dem Erdgeschoss eines mehr als mannshohen Kastenturms.

Schwitzend, aber höchst zuversichtlich trug ich meinen Bandscheibenvorfall und das 15 Kilo schwere Schatzkästchen nach Hause. Dort erklärte ich meiner Frau die neue Brauspartaktik. Beim Blick auf unsere flüssige Altersrente gefror ihr selbiger jedoch augenblicklich: „Sehr schön Schatz, aber warum hast Du denn so viele alte Flaschen gekauft, auf denen das Gewinnspiel noch gar nicht drauf war?“

Möglicherweise muss ich wegen der Million jetzt doch mal mit der Sparkasse reden ...

Bis die Tage!