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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Wie Mozart in Charts kommt

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Wie Mozart in die Charts kommt

Ich begrüße Sie heute mit gleich zwei guten Nachrichten aus der Welt der Musik für Sie: 1. „Die Amigos“ haben seit sechs Wochen kein neues Album mehr herausgebracht. 2. In Salzburg wurde ein bisher unbekanntes Klavierstück von Mozart erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Werk ist aber nur 94 Sekunden lang, weil nicht mehr Noten auf das Blatt passten und das bei der Komposition erst 17-jährige Wunderkind scheinbar kein zweites hatte. Leider hat es Mozart zudem verabsäumt, auch einen Videoclip zu dem Song zu produzieren. Deshalb schafft er es zwar ins Köchel-Verzeichnis, aber niemals in die Hitparade.

Wer da rein will, braucht heute sowieso kein musikalisches Talent, sondern vor allem einen coolen Namen. Wobei ein Blick in die aktuellen deutschen Single-Charts zeigt, dass dabei eine Art Rudelbildung besonders erfolgversprechend ist: Wo früher simple Wortgebilde wie „ABBA“ oder „Queen“ den Ton angaben, tummeln sich jetzt kryptische Interpreten-Konglomerate mit Namen wie „Internet Money & Gunna feat Don Toliver & Nav“, „Master KG feat Burna Boy & Nomcebo Zikode“ oder „Miksu/Macloud feat Bausa, Reezy & Selmon“. Hört man sich deren jeweilige Hit-Hervorbringungen an, wird unmittelbar deutlich, dass der alte Spruch „Viele Köche verderben den Brei“ nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Wenn Mozart heute was reißen wollte, müsste er sich also erstmal umbenennen. Auf Basis der momentanen Chart-Lage würde ich ihm zum Beispiel „MC Woolfie feat. Ama Deus & the Saltcastle Piano Project“ empfehlen. Außerdem heißt sein neues Stück offiziell „Allegro in D für Clavier KV 626b/16“. Das wäre als Rapper-Name zwar gar nicht schlecht, geht als Songtitel aber gar nicht. Ich schlage vor, er nimmt besser einen alten Hit und mischt den neu. Dann sehe ich ihn schon sicher auf Platz 1: „MC Woolfie feat. Ama Deus & the Saltcastle Piano Project“ mit „The Magic Flute/Little Night Music Remix“!

Übrigens könnte man das Hit-Prinzip, durch coole Namen den vielleicht suboptimalen Inhalt etwas zu verschleiern, sehr gut auch lokalpolitisch in Wuppertal anwenden. Nehmen Sie mal unser Gebäudemanagement. Das hat ja soeben diverse Schulbauvorhaben erfolgreich in den Sand gesetzt und kassiert dafür einen ordentlichen Shitstorm. Ich bin sicher, mit der richtigen Verpackung hätte die Sache besser ausgesehen: „GMW feat. the Masters of Desaster“ präsentieren den grandiosen Wuppertal-Remix des Klassikers „School‘s out forever“ klingt doch irgendwie viel besser, oder? Das erste Konzert geben die dann auf der Freilichtbühne Hardt ...

Beim WSV würde das auch super funktionieren: Statt mit der nächsten Insolvenznachricht unverblümt schlechte Laune zu verbreiten, könnte man den Fans im Stadion einfach „DJ Friedhelm feat. Red Blue & the Pleitegeiaz“ vorspielen, die das Stück „Auf der Tasche keine Kohle, aber immer sehr zum Wohle“ rappen. Und wenn unser Oberbürgermeister nächste Woche verkünden müsste, dass die Umsetzung seines visionären 100-Tage-Programms angesichts der Wuppertaler Wirklichkeit doch rund 100 Jahre dauert, dann hätten wir noch mehr Mitleid, wenn uns „Mighty U Double-U E Cutstorm feat. the Windmill Fighters“ einen Remix von „You can‘t always get what you want“ vorsingt ...

Bis die Tage!