1. Kultur

Historische Stadthalle Wuppertal: Doppelte Rückkehr ins Konzertleben

Historische Stadthalle : Doppelte Rückkehr ins Konzertleben

Die Historischen Stadthalle in Wuppertal öffnet wieder ihre Türen für gleich zwei Kammerkonzerte des Sinfonieorchester Wuppertal. Am Dienstag (23. Juni 2020) gibt es ein Wiedersehen und Wiederhören mit den Musikerinnen und Musikern.

Viele Wochen waren die Türen geschlossen und die regulären Konzerte des Sinfonieorchesters abgesagt. Nun kehrt es in seine Heimspielstätte zurück. Dabei präsentiert das Sinfonieorchester zwei Konzerte an einem Tag. Um 17 Uhr beginnt „Kammermusik Extra I. … in schön’re Welten langen …“ mit Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur und um 20 Uhr folgt das Konzert „Kammermusik Extra II. An meinen lieben Freund Haydn“ mit dem Streichquartett in g-Moll von Joseph Haydn und mit Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquartett in G-Dur.

Kammermusik Extra I: Kammermusik ist die konzentrierteste Form des Musizierens. Sie dringt direkt zum Kern der Musik vor. Dabei gilt das Streichquartett gemeinhin als Königsdisziplin der Kammermusik. Doch ausgerechnet Franz Schubert schuf nicht mit einem Quartett, sondern mit einem Quintett einen Meilenstein der Kammermusikliteratur. „Tiefer Sehnsucht heil’ges Bangen / Will in schön’re Welten langen. / Möchte füllen dunklen Raum / Mit allmächtgem Liebestraum“, schrieb Schubert 1823 in seinem Gedicht „Mein Gebet“. In seiner unverkennbaren Art besingt er voller Melancholie die Schönheit des Lebens. Die starken emotionalen Gegensätze führen auch in seinem C-Dur-Quintett zu Extremen in Klang und Dynamik. Eine beständig wechselnde Farbigkeit zeichnet Schuberts Quintett aus; hier trifft intime Sensibilität auf imposante Ausdruckskraft. Mal führt die Musik in dunkle Räume der Trauer, dann wieder erhellen Hoffnungsschimmer das Trübe. Das C-Dur-Streichquintett gehört zu Schuberts sogenannten Spätwerken, er schrieb es zwei Monate vor seinem Tod im Alter von nur 31 Jahren. Vom Sinfonieorchester Wuppertal spielen Liviu Neagu-Gruber und Axel Hess (Violine), Momchil Terziyski (Viola) sowie Hyeonwoo Park und Karin Nijssen-Neumeister (Violoncello).

Kammermusik Extra I: Eine enge Freundschaft verband die beiden Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Mit „Al mio caro amico Joseph Haydn“ („An meinen lieben Freund Haydn“) begann Mozart das rührende Widmungsschreiben an den Komponistenfreund, das er den sechs Streichquartetten voranstellte, die wir heute unter den Nummern 14 bis 19 und unter dem Beinamen „Haydn-Quartette“ kennen. Mozarts Streichquartett in G-Dur, das erste der sechs, setzt der Zeit des Auf- und Umbruchs ein Denkmal: der Aufbruch zu einer neuen Dramatik, zum emotionalen Dialog unter den Instrumenten und zu neuen musikalischen Ufern. Ein aufgebracht-stürmisches Werk ist Haydns Streichquartett in g-Moll. Mit ruppigen Vorschlägen und überraschenden harmonischen Wendungen versteckt Haydn – ganz seinem Humor entsprechend – so manche musikalische Finte, die den Hörer aufs Glatteis führt. Dem Finale verdankt das Quartett seinen Beinamen. Das galoppierende Hauptthema im 4. Satz krönt das Werk, das schließlich unter dem Namen „Reiterquartett“ weltberühmt wurde.

 Das „Johannisberg Quartett“ steht in den Startlöchern.
Das „Johannisberg Quartett“ steht in den Startlöchern. Foto: Bettina Osswald

Beide Werke spielt das Johannisberg Quartett, das sich aus Musikerinnen des Sinfonieorchester Wuppertals, namentlich Dagmar Engel und Martin Roth (Violine), Jens Brockmann (Viola) und Christine Altmann (Violoncello), zusammensetzt. Die Tickets (je Konzert 10 Euro) sind online erhältlich unter sinfonieorchester-wuppertal.de, telefonisch bei der „KulturKarte“ unter 0202 / 5637666 oder in den entsprechenden Vorverkaufsstellen. Abonnentinnen und Abonnenten erhalten eine Ticketermäßigung von 50 Prozent auf den Normalpreis. Eine Abendkasse wird es nicht geben.