Uraufführung im „K4-Theater“ Darf man(n) Frauenmord-Fiktion schreiben?

Wuppertal · Ein Thriller-Autor mit Affäre, eine merkwürdige Frau im roten Kleid und Mordabsichten. Das ist der vordergründige Plot von „Erstgespräch“. Für das Stück aus der Feder von Christoph Maasch hat sich das kleine „K4-Theater“ am Neuenteich 80 die Erstaufführungsrechte gesichert.

Mona und Kris Köhler in "Erstgespräch" im "K4-Theater".

Foto: Victor Stobbe

Daher waren nicht nur die Zuschauer auf das Stück, sondern auch die Darsteller auf die Reaktionen des Publikums gespannt. Und die fielen durchaus positiv aus.

Was sich am Anfang wie ein klassischer Thriller à la Sebastian Fitzeks „Die Therapie“ oder Stephen Kings „Misery“ anlässt, offenbart im Lauf des Nachmittags seinen wahren Charakter. Denn in „Erstgespräch“ geht es um die Frage, ob angesichts der vielen Femizide das Schreiben von Mordgeschichten mit fast nur weiblichen Opfern überhaupt noch ethisch vertretbar ist.

Kris Köhler spielt den Psychotherapeuten und Autoren Sorgesser, der einen erfolgreichen Thriller nach dem anderen veröffentlicht. Der nächste ist schon in der Mache, da taucht eine Frau im roten Kleid (Mona Köhler) in seiner stylish-männlichen Praxis auf, die genauso gekleidet ist, wie eine Figur aus seinen Werken. Sie will sofort ein Gespräch mit ihm, da sie sich als Opfer fühlt. „Ich brauche nur eine Stunde“, sagt die Frau ohne Namen immer wieder, wobei ihre Bitten irgendwann zu Drohungen werden.

Die Frau weiß scheinbar alles über ihn und erpresst Sorgesser damit, dessen Gattin über sein Verhältnis mit einer Studentin zu informieren, sollte er dem Erstgespräch nicht zustimmen. Als er sich schließlich auf die eine Stunde einlässt, kündigt die potenzielle Patientin an, ihn umzubringen, wenn er nicht mit dem Schreiben aufhöre. Werkzeug habe sie dabei. Diese Ankündigung beschließt den ersten Teil des Stücks und entlässt das Publikum rätselnd in die Pause. Wird der Autor ermordet?

Während die erste Hälfte stark an übliche Thriller erinnert („Die Therapie“ lief einst sehr erfolgreich im „K4“), ist die zweite durchzogen von moralischen Fragen. Darf ein Autor in seinem Werk Frauen ermorden lassen, ohne dass der Täter bestraft wird? Darf man solche Bücher überhaupt veröffentlichen, wo sie doch Anleitungen zum Femizid liefern? Der verbale Schlagabtausch der beiden Figuren ist schnell und voller sprachlicher Finessen, Zitaten und Anspielungen. Mona und Kris Köhler tauchen ganz in ihre Rollen ein und überzeugen als roter Racheengel und arroganter Autor.

Mit „Erstgespräch“ bleiben die beiden „K4“-Inhaber ihrem Anspruch treu, gesellschaftliche Themen auf ihre Bühne zu holen. Einen Regisseur hat die Produktion übrigens nicht, da dieser aus gesundheitlichen Gründen nach einem ersten Brainstorming nicht mehr dabei sein konnte. Diese Informationen und auch ihren Stolz darüber, Uraufführungsrechte bekommen zu haben, teilte das Schauspieler-Ehepaar nach der gelungenen Premiere mit dem Publikum. Denn im „K4“ gibt’s nicht nur Erst-, sondern immer auch Nachgespräche. Also: hingehen, anschauen, mitreden!

Weitere Aufführungstermine im Februar und März 2026 – im „K4-Theater für Menschlichkeit“, Neuenteich 80. Homepage: www.k4theater.de