Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium Mehr sehen – mit der Eulen-Weisheit

Wuppertal · Seit kurzer Zeit steht Arno Brekers umstrittene „Pallas Athene“, ergänzt durch die neue Skulptur „Eulensicht“ der bosnischen Künstlerin und Architekturhistorikerin Azra Akšamija, wieder vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium (WDG).

Mit der „Eulensicht“ von Azra Akšamija wird ein neuer Blick auf Arno Brekers „Pallas Athene“ am Johannisberg möglich.

Foto: Ralf Silberkuhl

Der Elberfelder Arno Breker (1900 bis 1991) gilt als „Lieblingsbildhauer“ Adolf Hitlers. Der Umgang mit seiner „Pallas Athene“, die 1957 aufgestellt wurde, war aufgrund von Brekers Rolle als Künstler im Nationalsozialismus viele Jahre heftig umstritten. 2003 stießen Unbekannte die Skulptur von ihrem Sockel.

Wuppertal hatte sich 2018 mit Unterstützung des Landes NRW dazu entschlossen, einen künstlerischen Wettbewerb durchzuführen, der Brekers „Pallas Athene“ kommentiert. Den Wettbewerb gewann die 1976 in Sarajevo geborene Azra Akšamija, die in Boston und Graz lebt und arbeitet.

In der vergangenen Woche wurde die „Eulensicht“ im WDG im Rahmen einer Festveranstaltung offiziell eingeweiht. Kulturdezernent Matthias Nocke legt dabei Wert darauf, dass „Wuppertal die Breker-Skulptur nicht geglättet, nicht eingemottet, nicht abgeräumt“, sondern sich, mit Unterstützung und Zustimmung der Schule, zu einem „zeitgemäßen und offensiven Umgang mit dem Thema entschlossen“ habe.

Azra Akšamijas Skulptur "Eulensicht" (vorn) mit kritisch-kommentierendem Blick auf Arno Brekers "Pallas Athene".

Foto: Ralf Silberkuhl

Mit ihrem Werk „Eulensicht“ lädt die Künstlerin Azra Akšamija zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der „Pallas Athene“ und ihres Schöpfers ein. Die interaktive Skulptur, die ähnlich wie ein Münz-Fernrohr (allerdings ohne Geldeinwurf) funktioniert, ermöglicht einen neuen Blick auf Brekers Werk – und das von den Nazis ideologisierte Motiv der „Pallas Athene“.

Bei Nacht hat die „Eulensicht“ eine zusätzliche Dimension: Ein aus einem Auge der Eule projizierter Lichtstrahl beleuchtet Brekers „Pallas Athene“ und wirft den Schatten der Figur an die Schulfassade. Durch die Beleuchtung wird auch ein Zitat des spanischen Philosophen George Santayana sichtbar: „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

Zudem gibt Azra Akšamija der Wuppertaler „Pallas Athene“ nicht nur eine neue, kritische Lesart. Sie fügt ihr auch ein Attribut hinzu, das Breker ihr vorenthalten hatte: Die Eule als Symbol der Weisheit, denn Pallas Athene war in der Antike keineswegs nur die Siegesgöttin.