1. Kultur

Wuppertal: "Pina Bausch Zentrum" bekommt angepasstes Betriebskonzept

„Pina Bausch Zentrum“: Konzept angepasst : „Das Projekt steht nicht zur Disposition“

Seit klar wurde, dass der Bund sich nicht an den Betriebskosten für das im und am Schauspielhaus geplante „Pina Bausch Zentrum“ beteiligen wird – dass also drei (einkalkulierte) Millionen Euro fehlen –, steht eine Frage im Raum: Wie kann das weit über Wuppertal und Deutschland hinaus strahlende Projekt künftig funktionieren? In der Montagspressekonferenz (15. Juni 2020) der Stadtspitze wurde das angepasste Betriebskonzept vorgestellt.

Erstmals diskutiert wird das 43-Seiten-Papier der Kulturstragieberatungsfirma Actori am Mittwoch (17. Juni) in der städtischen „Pina Bausch Zentrum“-Kommission. Wuppertals Kulturdezernent Matthias Nocke machte deutlich: „Zwei der fehlenden Millionen sind bereits abgearbeitet, mit der dritten Million sind wir noch beschäftigt.“ Stadtkämmerer Johannes Slawig betonte: „Mit dem ,Pina Bausch Zentrum’ wollen wir ein bedeutendes Stück der Zukunft Wuppertals gestalten. Das Projekt steht nicht zur Disposition. Nur leider geht es jetzt nicht so schnell wie ursprünglich geplant weiter.“ Trotzdem: Die Eröffnung des Komplexes sei für 2027 terminiert.

Slawig erläuterte die wesentlichen Eckdaten der Anpassungen im Betriebskonzept und der Businessplanung für das „Pina Bausch Zentrum“ an vier Punkten. Zuerst wolle man nun zwischen Stamm- und Projekthaushalt unterscheiden: Der Stammhaushalt, um den sich Stadt und Land kümmern, solle die Grundausstattung des Zentrums garantieren. Für den Projekthaushalt seien Geldgeber aus allen Richtungen willkommen. Punkt zwei ist die Personalausstattung. Bei „nur noch“ 6,7 Millionen für die Betriebskosten anstatt früher zehn Millionen stelle sich, so Slawig, natürlich die Frage, ob das denn reichen werde. Der Kämmerer ließ keinen Zweifel aufkommen: „Ja, das reicht.“ Die Personalausstattung des Zentrum könne nun zwar nicht mehr über 130 Beschäftigte, sondern nur noch 109 Vollzeitkräfte umfassen, aber das werde „zu keinerlei Abstrichen an Qualität und Internationalität führen“.

Diese Vollzeitmitarbeiter – in deren Zahl übrigens das komplette 38-köpfige Pina-Bausch-Ensemble bereits eingerechnet ist – werden im „Pina Bausch Zentrum“ unter dem Dach einer eigenen Gesellschaft tätig sein, die bewusst nicht Teil der Stadtverwaltung sein soll. Johannes Slawig: „An das Land ergeht das Angebot, sich gerne zu 50 Prozent an dieser neuen Gesellschaft zu beteiligen.“

Vierter Dreh- und Angelpunkt des neuen Konzeptes: Tanztheater und „Pina Bausch Zentrum“ sollen in Zukunft zusammen, nicht als eigene Einheiten, agieren. Nach Überzeugung von Stadtdirektor Slawig stärkt diese Struktur die Position des Tanztheaters. Auch die „Pina Bausch Foundation“, die als unabhängige Stiftung erhalten bleibt, soll ihre Tätigkeiten weitgehend an das „Pina Bausch Zentrum“ übertragen. Das Ziel: Ein multifunktionales Haus an der Kluse, in dem es keine Parallelstrukturen, möglichst reduzierte Reibungsverluste und einen gemeinsamen Personal-Pool gibt.

Einen Schluck Wasser in den Wein goss Kulturdezernent Matthias Nocke, der die aktuell nicht rund laufende Finanzierung der Vorlaufkosten für das Gesamtprojekt durch den Bund kritisierte. Nocke: „Der Status ist nicht zufriedenstellend.“ Nocke informierte darüber, dass deswegen die Planungsphase für das „Forum Wupperbogen“, mit dem das Pina Bausch Zentrum zur Bürgerschaft der Stadt hin geöffnet werden soll, erst 2021 in Angriff genommen werden könne. Nach Rundschau-Informationen hatte sich der als „Wupperbogen“-Projektmanager bereits feststehende Jens Heitjohann schon mit vielen Gesprächspartnern vor Ort getroffen, musste sich jetzt aber wieder (vorläufig) zurückziehen.

Trotz allem fand der Kulturdezernent ein ebenso anschauliches wie ungewöhnliches Bild mit Blick auf die Zukunft: „Ich sehe das ,Pina Bausch Zentrum’ wie einen Flugzeugträger, von wo aus ganz viel starten kann. Darin stecken sehr außergewöhnliche Potenziale.“