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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Talkshow-Terror

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Talkshow-Terror

Geht Ihnen das eigentlich auch so? Wenn eine Talkshow im Fernsehen kommt, werde ich bekloppt! Bei denen dreht sich nämlich seit einem Jahr alles ausschließlich entweder um ein aggressives Virus oder Donald Trump, was inhaltlich im Prinzip kein großer Unterschied ist.

Weil Trump dieser Tage entsorgt wurde, gibt es jetzt beim Talken (Englisch für: „sich ums Würstchen reden, ohne was zu sagen“) thematisch nur noch die Wahl zwischen „Corona und die Auswirkungen“ und „Die Auswirkungen von Corona“.

Dazu treffen sich bei Annebritt Lanzwill grundsätzlich ein Ministerpräsident beliebigen Geschlechts, eine Intensivmedizinerin mit Ringen unter den Augen, ein bekannter Journalist, den keiner kennt, und vor allem ein Virologe, der alles weiß, auf den aber keiner hört. Gelegentlich habe ich übrigens den Eindruck, dass wir in Deutschland inzwischen mehr Virologen als Viren haben, was aber auch notwendig bist, weil ja nur ein Bruchteil davon arbeitet. Die anderen sitzen in Talkshows. Dasselbe gilt für Ministerpräsidenten, bei denen man sich fragt, wann sie zwischen Talkshow-Auftritten noch zum Regieren kommen sollen. Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern, die inzwischen dauerhaft in einem Bildschirm wohnt, um in jeder öffentlich-rechtlichen Sendung per Video zugeschaltet werden zu können, denkt angeblich über die Berufung eines Talkshow-Ministers nach, der sie ab und zu mal vertreten kann.

Zu jeder Corona-Talkshow eingeladen werden muss übrigens zwingend auch Kanzleramtsminister Helge Braun. Das ist der Mann, der aussieht wie der uneheliche Sohn von Reiner Calmund und ein Temperament hat, das auf Spritzen gezogen in der Anästhesie als Einschlafmittel verwendet wird. Wenn Helge Braun verhindert ist, kommt ersatzweise Wirtschaftsminister Peter Altmaier und erklärt, dass er gleich nach der Talkshow jetzt aber wirklich zeitnah allen von Corona finanziell gebeutelten Betrieben, Selbständigen und Haustieren die Soforthilfe für vergangenen November auszahlen werde. Weil ihn die Fernseh-Mitarbeiter wegen seiner beträchtlichen Leibesfülle aber wieder nicht aus dem zu engen Designersessel im Studio schälen können, muss er bis zur nächsten Show sitzen bleiben und kann doch nichts bezahlen.

 Diese Woche ging es natürlich auch um die Corona-Regeln, auf die sich die Länder nach stundenlangen Verhandlungen mit der Kanzlerin geeinigt haben, um sie anschließend möglichst nicht umzusetzen. Und natürlich ums Impfen, zumal es ja jetzt die gefährliche neue Mutante von Covid-19 gibt. Bisher kannte ich nur die Großtante und die Konstante, dass in jeder Talkshow über Corona diskutiert wird. Aber man kann ja nicht alles wissen.

Schon gar nicht wissen wir, wann eigentlich dieses Impfzentrum in Betrieb geht, das wir im Dezember so unheimlich dringend einrichten mussten. Da wurde erst so gedrängelt, dass man das Gefühl hatte, man wollte hier sämtliche altersmäßig zur vulnerablen Gruppe gehörenden Weihnachtsmänner rechtzeitig vor der Bescherung impfen, damit sie nicht zu Superspreadern unter dem Tannenbaum werden. Und jetzt haben wir viele Impfstraßen in Zelten, aber nichts für in die Spritzen. Deutschland wartet mit der Großbestellung ja noch, bis es den Impfstoff am Black Friday bei Amazon günstiger gibt und die Lieferung gratis ist.

Manchmal hört man übrigens doch was Interessantes in Talkshows. Zum Beispiel am Donnerstag bei Markus Lanz. Da ging es um Niedersachsen, wo das Land über 80-Jährigen Briefe mit Impf-Infos schicken wollte. Die Adressen dafür hat die Regierung bei der Post gekauft, obwohl sie die Namen, Anschriften und Geburtsdaten der Betroffenen selbst besitzt. Die darf sie aber aus Datenschutzgründen nicht benutzen. Manchmal wundere ich mich ernsthaft darüber, dass in Deutschland noch so viele Menschen am Leben sind ...

Bis die Tage!