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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Das Brieftauben-Problem

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Das Brieftauben-Problem

Da haben wir aber was angerichtet: Am Donnerstag erreichte die Rundschau eine Mail von Sylvia Müller aus Stuttgart, die unsere positive Berichterstattung zum „Tag der Brieftaube“ anprangert. Sie wolle uns daher dringend auch über die Schattenseiten dieses Sports informieren.

Nun konnte ich mich aktuell gar nicht so richtig an Rundschau-Berichterstattung zum Thema Brieftauben erinnern. Und von Planungen, demnächst nicht nur über WSV- oder BHC-Spiele, sondern auch über Brieftauben-Distanzflüge im Online-Liveticker zu berichten, hätte ich doch bestimmt auch was mitbekommen. Aber eine Tiefenrecherche ergab in der Tat, dass wir am 13. April online eine Pressemitteilung des Verbandes Deutscher Briefzüchter zum eine Woche später anstehenden „Tag der Brieftaube“ veröffentlicht hatten.

Offensichtlich haben wir den Problemkomplex Brieftaube auf dem ereignisreichen Höhepunkt des Kommunalwahlkampfes etwas aus dem Fokus verloren, was Sylvia Müller jetzt ändern will. Dazu hat sie uns eine Kopie ihres aufrütelnden Schreibens an die Grundschule Bodenwöhr übermittelt, in dem sie sich mit entschlossenen Worten gegen die Tatsache wendet, dass man dort die von ihr kritisch gesehene Brieftaubenzucht zum Unterrichtsthema macht. Eine weitere Kopie ging an den Kultusminister des Landes Bayern, der hier dringend eingreifen soll.

Nun liegt Bodenwöhr sogar noch hinter Ronsdorf, weshalb unsere Recherchemöglichkeiten in diesem Fall leider begrenzt sind. Und unser bayerischer Auslandskorrespondent ist derzeit sowieso nicht einsatzfähig, weil er wegen der Absage des Oktoberfestes in psychiatrische Behandlung musste. Wir werden uns also vorerst doch weiter auf Randthemen wie die Oberbürgermeister-Stichwahl in Wuppertal konzentrieren müssen, bei der ja auch Fragen aufgeworfen werden, die mit Briefen zu tun haben. Und zwar den Wahlbriefen, die wahlweise gar nicht erst beim Wähler oder anschließend nicht beim Wahlamt ankommen, weil die Post sie gar nicht oder zu spät zustellt.

Das war jedenfalls vorige Woche bei der Kommunalwahl so und hat unter anderem daran gelegen, dass bei der Post gestreikt wurde. Wenn man mir für einen Hungerlohn eine Lkw-Ladung Briefe in einen Handkarren packen und mich damit auf Tour in einen Zustellbezirk von der Größe Mitteldeutschlands schicken würde, hätte ich vielleicht auch gestreikt. Die Briefträger müssten aber gar nicht streiken, wenn man die Post nicht in den 90er Jahren privatisiert hätte. Federführend war damals Postminister Christian Schwarz-Schilling, der zur selben Partei gehört wie Wuppertals Stadtkämmerer Johannes Slawig, der sich jetzt wegen der Wahlbriefe über die Schneckenpost beschwert hat. So beißt sich die politische Katze eben schon mal in den Schwanz ...

Erreicht hat man so jedenfalls, dass wir in unserer digitalisierten Welt zwar locker aus dem Urlaub die Jalousien zu Hause in unserem Smart Home verstellen können, es aber gleichzeitig nicht zuverlässig schaffen, innerhalb von anderthalb Wochen Briefe aus dem Wuppertaler Rathaus zu einem Wuppertaler Bürger und wieder zurück zu bringen. Die schlechte Nachricht: In diesen Tagen wird die Post wieder bestreikt, so dass es für die Wahlbriefe erneut eng werden könnte. Möglicherweise wäre der Einsatz von Brieftauben in dieser Situation keine schlechte Idee ...

Bis die Tage!