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Kommentar zum Wuppertaler Nordpark

Kommentar zum Nordpark : Der Druck muss aus dem Kessel!

Richtig viel Geld hat die Stadt (mit Hilfe vieler Fördermittel) in den letzten Jahren für den Nordpark ausgegeben. Mit Erfolg: Das Areal mit „Skywalk“ und vielen anderen Details ist wunderschön geworden. Und es wird sich, wenn die „Turmterrassen“ erst am Start sind, zu einem noch deutlich stärker frequentierten Anziehungspunkt entwickeln.

Die Parkplatz- und Verkehrssituation aber ist im Grunde immer noch wie damals 1983, als ich Zivildienst gemacht habe. Wenn wir auf einer „Essen auf Rädern“-Tour in Wichlinghausen unterwegs waren, machten wir Mittagspause im Nordpark.

Warum sich über all die Jahre niemand wirklich darum gekümmert hat, dass die kleine Straße Mallack und die paar Parkplätze, die es dort gibt, nie und nimmer ausreichen für einen Naherholungsmagneten, ist eine Frage, die man stellen kann. Die Antwort darauf jedenfalls muss jetzt bald gegeben werden. Und zwar nicht nur wegen des Nordparks und allem, was sich dort abspielt, sondern auch, weil in der Straße Mallack Menschen wohnen – und es mit dem Lokal „Haus Mallack“ auch noch eine weitere Gastronomie gibt: Beides wird bei der Diskussion, die zurzeit hohe Wogen schlägt, gerne vergessen. Und sollte doch unbedingt im Blick behalten werden. Ebenso übrigens wie der Sportplatz, der auch noch zusätzlich Menschen anzieht.

Apropos Diskussion: Sie dreht sich um eine Fläche, auf der Gehölz entfernt werden müsste, um rund 100 zusätzliche Parkplätze zu schaffen. Die Ankündigung von Oberbürgermeister Schneidewind, dort werde dieses Jahr erstmal gar nichts passieren, war geschickt (zumal bis Ende September eh wegen Vogelschutz nichts abgeholzt werden darf), hat aber den Druck nicht aus dem Kessel genommen. Ebensowenig wie die Verabredung mit der Firma Axalta, die eine 50-Auto-Fläche nun am Wochenende freigibt. Der Weg von dort zum Nordpark ist etwa 500 Meter weit, wenig attraktiv und man muss ihn kennen.

Die Axalta-Idee ist gut, löst aber das Problem nicht. Wenn’s um Erholen geht, fahren die Leute (wenn es möglich ist) bis ganz nach vorn. So sind Menschen. Überall.

Also – was nun? Falls Sie meine Meinung interessiert: Ohne neue, intelligente Verkehrs- und Fußgängerführung geht es nicht. Und auch nicht ohne einen neuen Parkplatz.

Ich denke, dass das Thema Nordpark aktuell unbedingt einen Runden Tisch braucht. Und zwar einen echten Runden Tisch, bei dem es um konkrete Problemlösungen geht. Keine Bla-bla-Veranstaltung mit vielen „Größer denken“-Sprechblasen zur Bürger-Ruhigstellung. An einem solchen Runden Tisch müssen dann tatsächlich alle Interessengruppen sitzen. Auch der in Sachen Nordpark seit Jahrzehnten hochaktive Nordstädter Bürgerverein oder die Bezirksvertretung, die sich beide von den jüngsten Aktionen der Stadtspitze ganz und gar nicht mitgenommen (wie man heute ja so schön sagt) fühlen.

Eventuell wäre das Ganze sogar ein Idealfall für das an der Bergischen Universität in Wuppertal erfundene Bürgerbeteiligungs-Instrument „Planungszelle“: Damit sind an vielen Stellen Deutschlands gerade in solch scheinbar kleinen Fällen wie dem Nordpark gute und verträgliche Lösungen gefunden worden. 

Ja, es wäre schön, wenn die vielerorts herbeigesehnte und herbeigeredete Mobilitätswende in Wuppertal bald dazu führt, dass sich die Zahl der Autos um ein Drittel oder gar die Hälfte reduziert, der Radverkehr um ein Drittel oder gar die Hälfte wächst sowie die zukünftige Nordpark-nahe Loh-Hatzfeld-Trasse superschnell Wirklichkeit werden würde. Aber dieser Tag – so realistisch und so ehrlich den Bürgern gegenüber muss man sein – ist noch fern.

Am Nordpark muss jetzt bald etwas Kluges und Konkretes passieren, das die Lage entspannt. Etwas, das nicht „von oben“ draufgestülpt wird. Sonst steht allen, um die es da in Wichlinghausen geht, ein heißer Sommer bevor. Nicht nur in Sachen Wetter.