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Kommentar zur Lage beim Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV

Kommentar : Der WSV und das Murmeltier

Sie erinnern sich vielleicht, dass ich an dieser Stelle gerne von meinem Vater erzählt habe, der oft fragte: „Was ist denn da schon wieder beim WSV los?“ Das macht er nun nicht mehr. Doch, es geht ihm gottlob gut. Allerdings zuckt er bei diesem Thema meist nur noch mit den Schultern, ein mildes Lächeln inklusive.

So geht es wohl den meisten Wuppertalerinnen und Wuppertalern. Sie kennen das Spiel, eine Mischung aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Dinner for one“, inzwischen längst. Immer wenn man glaubt, es gehe wieder etwas aufwärts (wie seinerzeit nach der gelungenen Crowdfunding-Aktion und dem direkt darauf folgenden Crash), scheppert es gewaltig. Diesmal folgte auf den 1:0-Auftaktsieg ein derbes Kompetenzgerangel zwischen Vorstand und (auch nicht als Einheit agierendem) Verwaltungsrat. Alles wurde öffentlich, einige Protagonisten agierten wie in der Vergangenheit über die „sozialen“ Medien und in Fanforen. (Man stelle sich einmal vor, Karlheinz Rummenigge vom FC Bayern würde diese Wege wählen. Aber das nur am Rande.)

Im Kern geht es darum: Wie stellt sich der Fußball-Regionalligist personell künftig auf? Und woher kommt das Geld für den Etat? Auf der einen Seite steht der (persönlich haftbare) Vorstand mit Melanie Drees und Thomas Richter sowie der Sportliche Leiter Stephan Küsters, die das Vertrauen von Geldgeber Friedhelm Runge genießen. Auf der anderen die Mehrheit des nun um Ex-OB Andreas Mucke, Stephan Vogelskamp und Dr. Karsten Schaudinn erweiterten (ehrenamtlichen) Verwaltungsrates um den Vorsitzenden Christian Vorbau, der über Kompetenzen verfügt.

Dass dieses Gremium möglichst mit Personen, die über Geld oder entsprechende Kontakte verfügen, besetzt werden soll, darüber herrscht Einigkeit. Nicht aber über die Finanzen. Runge (der von der Stadtspitze in höchster Not gebeten wurde, wieder zu helfen, weil der Club sonst pleite gewesen wäre) hat mit seinen fast 82 Jahren längst kein großes Interesse mehr, sich in Tagesthemen einzumischen. Aber er will, dass diejenigen Leute, denen er vertraut, ihre Arbeit machen können. Dass Runge das Geld nicht ganz ohne Sicherheiten gibt, ist normal. Es gibt kaum einen Investor / Sponsor / Gönner, der sehr große Summen investiert, der nicht so agiert.

Nun ist es natürlich vollkommen legitim, diese Variante abzulehnen. Dafür muss dann aber ein anderer Plan her, der einen Etat von rund 1,5 Millionen Euro pro Saison stemmt. Das ist in einer Stadt wie Wuppertal eine reichlich ambitionierte Aufgabe, erst recht in dieser Zeit. Ein Absturz in tiefere Regionen wäre wohl das Ende des hiesigen Profifußballs, siehe FC Remscheid oder Union Solingen. Von der Frage, was aus dem Stadion wird und wo ein Kreisligist WSV spielen soll, ganz zu schweigen. Die nächste Jahreshauptversammlung wird kommen, eventuell virtuell. Dann geht es um klare Konzepte, Personal – und die Finanzen. Ein Schulterzucken reicht dann nicht mehr.

 Jörn Koldehoff.
Jörn Koldehoff. Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth