Kommentar zur Europa-Wahl Europa? Ja!

Wuppertal · Nächste Woche Sonntag, am 9. Juni, ist Europa-Wahl. Bitte nehmen Sie sich das zu Herzen. Und bitte denken Sie in Ruhe nach, bevor Sie sich entscheiden. Denn mag man auch die schwarz-weißen Wahlplakate der FDP mit einer recht finster dreinblickenden Marie-Agnes Strack-Zimmermann bedrohlich finden: Mit ihrem Slogan liegt sie genau richtig – „Es ist nicht egal. Es ist Europa“.

 Es geht um Europa.

Es geht um Europa.

Foto: Wuppertaler Rundschau

Dieses Europa, das viele so weit weg empfinden und damit „fremdeln“, ist in Wirklichkeit ganz nah. Vielleicht nur ein Beispiel, das viel mit Wuppertal zu hat: Unsere Nordbahntrasse, die ohne Widerspruch als eines der großartigsten Stadtentwicklungsprojekte der letzten Jahre bezeichnet werden kann, die gäbe es zum Beispiel ohne Europa gar nicht. Damals, als es um die wichtige Startfinanzierung ging, wurde der Beginn der Realisierung des Trassen-Traumes nur möglich dank der sogenannten EU-Ziel II-Förderung. Was ich damit sagen will: Europa hat mitgeholfen, dass Wuppertal heute ganz selbstverständlich seine Trasse hat – und stolz auf sie ist.

Dann gibt es noch einen weiteren Aspekt, der in Diskussionen immer, immer wieder auftaucht: Dass „Eurpa“ für eine unkontrollierbare Bürokratie- und Vorschriftenflut sorge. Sicher: Es gibt aus Brüssel kommend viele Reglements. Die entstehen aber nicht „einfach so“.

Beispiel: Vor Jahrzehnten schrieb die Europäische Union tatsächlich die maximal zulässige Krümmung von Salatgurken vor. Und zwar deshalb, weil Handelsverbände und Agrarminister der Mitgliedsstaaten das so wollten! Es ging um das reibungslose Verpacken der Gurken in Lieferkisten. Und außerdem: Die sogenannte „Gurkenkrümmungsverordnung“ gibt es längst nicht mehr.

Dass das Märchen von ihr aber in Diskussionen (nicht nur an Stammtischen) weiterlebt, zeigt ein weiteres Europa-Problem: Die EU und alles, was mit ihr zusammenhängt, ist ein sehr komplexes und damit kompliziertes Konstrukt. Kein Wunder bei so vielen Ländern, die unter dem „Europa-Dach“ miteinander zurechtkommen möchten.

Alles, was komplex ist, lockt die Vereinfacher an: Populisten und Nationalisten bedrohen den Boden Europa, auf dem viele, viele Millionen demokratisch gesinnte Menschen stehen und nach vorn, nicht rückwärts schauen.

Mit dem Blick auf Sonntag nächster Woche: Wer ein Haus erhalten und pflegen will, wählt keine Firma, die in Wahrheit ein Abbruchunternehmen ist.

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