Kommentar zur Lage des Handball-Bundesligisten Der BHC taugt als Buhmann nicht

Wuppertal · Seit Jahren gilt der als Handball-Bundesligist BHC als einer der Vorzeigeclubs in Wuppertal und der bergischen Region. Er produziert keine Skandale (zumindest werden keine öffentlich), ist Vorbild für strukturierte Sponsoren-Akquise und eines der wenigen sportlichen Aushängeschilder.

BHC-Chef Jörg Föste hat schon ruhigere Zeiten erlebt.

BHC-Chef Jörg Föste hat schon ruhigere Zeiten erlebt.

Foto: Dirk Freund

Doch momentan befindet sich der BHC in einer handfesten juristischen Auseinandersetzung. Einige Handball-Fans schieben ihm dabei die Rolle des Buhmanns zu. Zu Recht?

Ganz klar nein, und das nicht aus irgendwelchen verschwurbelten lokalpatriotischen Gründen. Der BHC zweifelt aus wirtschaftlichen Gründen die Spielberechtigung des Ligakonkurrenten HSV Hamburg an. Die Lizenzkommission hat den Norddeutschen die Lizenz für die kommende Saison verweigert, das Präsidium der Handball-Bundesliga hat sich dem angeschlossen – weil die Auflage, der Nachweis einer Millionensumme, offenbar (wenn auch minimal) zu spät erfüllt wurde. Nun bleibt als letzte Instanz das Schiedsgericht, das der HSV angerufen hat und das am kommenden Donnerstag in Hannover tagt.

Natürlich sind Stimmen laut geworden, dass der BHC nur deshalb klagt, weil er als Tabellensiebzehnter vor dem Abstieg steht (zwei Spieltage vor dem Saisonende beträgt der Rückstand auf Erlangen zwei Punkte, allerdings heißen die letzten beiden Gegner am 30. Mai auswärts Füchse Berlin und am 2. Juni in Düsseldorf SG Flensburg-Handewitt) und vom Lizenzentzug des HSV profitieren würde.

HBL-Ligachef Frank Bohmann hat dem BHC vorgeworfen, mit der Klage die unabhängige Ligakommission zu diskreditieren. Zugleich unterstellte er dem BHC „unternehmerische Fehlentscheidungen“ und im Grunde sportliches Versagen. Was der Verein als „vollkommen abwegig und reputationsschädlich“ zurückgewiesen hat. Zumal in einem laufenden Verfahren.

Dass die Saison unbefriedigend verlaufen ist, bestreitet beim BHC, der Jahr für Jahr die Lizenz ohne jegliche Auflagen erhält, niemand. Und möglicherweise sehen die Verantwortlichen ein, dass die Trennung von Trainer Jamal Naji als Folge der verheerenden Niederlagenserie deutlich zu spät kam und die vorhergehende Analyse, die das Verletzungspech als Hauptgrund ausmachte, ins Leere lief.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass der BHC (wie jeder andere Club auch) berechtigt ist, seine Interessen wahrzunehmen. Dazu gehört ein fairer Wettbewerb. Ob der gewährleistet ist, darüber befindet nun das Schiedsgericht. Und sollte sich der BHC entscheiden, im Falle einer Lizenzerteilung an den HSV ordentliche Gerichte anzurufen, wäre auch das in Ordnung, auch wenn der Ausgang offen ist.

Alles andere wird auf dem Parkett geregelt.

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