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Kommentar zum Amtsantritt von Wuppertals OB Uwe Schneidewind

Kommentar zum Amtsantritt von OB Schneidewind : Ein geschickter Start

Die Neugier war groß: Wie würde Wuppertals neuer Oberbürgermeister Uwe Schneidewind in sein Amt starten? Kurz gesagt: Er hat es durchaus geschickt gemacht.

Dass der begnadete Redner als unverkrampfter Sitzungsleiter bei seinem Debüt im Stadtrat eine gute Figur machte, war zu erwarten. Auch dürfte sich niemand darüber wundern,. dass er die quasi offizielle OB-Kommunikation in den sozialen Netzwerken vorerst auf seinen privaten Accounts stattfinden lässt. Wuppertal lebt ja schließlich als einzige deutsche Großstadt noch hinter den sieben Bergen bei den sieben Social-Media-Zwergen und besitzt keine städtischen Kanäle.

Überraschender kamen da schon die personellen Schachzüge, mit denen er den Stab des Oberbürgermeisters zum Start neu aufgestellt hat. Mit Alumth Slantijn holte er sich eine neue Leiterin für das wichtige OB-Büro ins Boot. die Rathaus-intern einen guten Ruf genießt, dem Verwaltungs-Neuling als Volljuristin in den Untiefen der Gemeindeordnung Schützenhilfe leisten kann und als ehemalige Leiterin des Haupt- und Personalamtes alle Akteure auf den unterschiedlichen Zuständigkeits-Ebenen kennt. Das ist wichtig für Schneidewind, der in einem Rundschau-Interview während des Wahlkampfs das OB-Amt als „eine der spanndensten Führungsaufgaben“ bezeichnet hatte. „Die Autorität dafür muss man sich täglich neu erarbeiten“, formulierte er damals mit Blick auf das Ziel, die Ämter auf seine Seite zu bringen. Wie es aussieht, wenn das nicht klappt, durfte sein Vorgänger Andreas Mucke noch jüngst in der befremdlichen Auseinandersetzung mit seinem Rechtsamtsleiter rund um angeblich formal mangelhafte Einladungen zu Ratssitzungen erleben.

Das Pendant zu Almuth Salentijn auf der politischen Ebene ist Marc Schulz. Der führende Wuppertaler Grüne soll als Schneidewinds Refenrent das Programm des Oberbürgermeisters „in den politischen Raum übersetzen“. Eine fein geschliffene Formulierung, hinter der das bekannte Problem steckt, dass der OB keine Mehrheits-Hausmacht im Stadtrat besitzt. Genug Stimmen für einzene Beschlüsse in Schneidewinds polarisiernden Kernthemenfeldern Mobilität, Klima, Stadtentwicklung und Wirtschaft einzusammeln, wird auch für den gewieften Taktiker Schulz eine anspruchsvolle Aufgabe.

Deutlich gemacht hat Schneidewind zum Start auch eins: Der Kampf gegen die Corona-Pandemie wird ihn natürlich beschäftigen. Aber er will sich nicht komplett davon vereinnahmen lassen, sondern sein im Wahlkampf formuliertes ehrgeiziges 100-Tage-Programm konsequent anschieben. Warum auch nicht? Schneidewind übernimmt schließlich einen erprobten Krisenstab, dessen Entscheidungen für Wuppertal weitgehend den Rückhalt der Bevölkerung haben und der deshalb nicht aufgemischt werden muss. Und dass durch die Corona-Beschränkungen die normalerweise übliche Lawine an Einladungen zu repräsentativen Kennenlern-Terminen für den Amtsneuling ausbleiben dürfte, verschafft ihm zusätzlich Luft, um das zu werden, was sein Vorgänger Andreas Mucke eigentlich sein wollte, aber nie wirklich geschafft hat: ein politischer Oberbürgermeister.