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„Solinger Sonderweg verkennt Realität“

FDP-Landtagsfraktionsvorsitzender Marcel Hafke : „Solinger Sonderweg verkennt Realität“

Der Alleingang der Stadt Solingen bei der Organisation des Präsenzunterrichts an den städtischen Schulen sorgt weiter für Diskussionen. Nun mehren sich auch in Wuppertal Stimmen, die den „Solinger Weg“ als Möglichkeit für die städtischen Schulen in Betracht ziehen. Ihnen entgegnet der Wuppertaler stellvertretende FDP-Landtagsfraktionsvorsitzende, Marcel Hafke: „Die Stadt Wuppertal muss zuallererst einmal ihre eigenen Hausaufgaben machen.“

Der Alleingang der Stadt Solingen bei der Organisation des Präsenzunterrichts an den städtischen Schulen sorgt weiter für Diskussionen. Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) hatte vergangene Woche pauschal verfügt, dass die Schülerinnen und Schüler im wöchentlichen Turnus zwischen Präsenz und dezentralem Unterricht wechseln. Das Schulministerium NRW hat das Konzept daraufhin untersagt und auf bestehende Regelungen verwiesen. Nun mehren sich auch in Wuppertal Stimmen, die den sogenannten „Solinger Weg“ als Möglichkeit für die städtischen Schulen in Betracht ziehen. Ihnen entgegnet der Wuppertaler Abgeordnete und stellvertretende FDPLandtagsfraktionsvorsitzende, Marcel Hafke, entschieden: „Die Stadt Wuppertal muss zuallererst einmal ihre eigenen Hausaufgaben machen.“

„Die Corona-Pandemie stellt uns in allen Bereichen unvermindert vor enorme Herausforderungen. Insbesondere der erste Lockdown im Frühjahr 2020 hat uns eindrücklich vor Augen geführt, wie wichtig funktionierende und verlässliche Bildungs- und Betreuungsangebote für die Schülerinnen und Schüler sind“. so Hafke.

Den Alleingang Solingens ist aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar: „Der pauschale Rundumschlag in unserer Nachbarstadt war weder abgestimmt noch notwendig: Die Regulierungen des Landes sehen bereits eine Vielzahl von Möglichkeiten vor, um Präsenzzeiten im Sinne der Kontaktreduzierung zu verschieben, etwa mit versetztem Unterrichtsbeginn oder auch digitalem, dezentral organisiertem Unterricht am heimischen Schreibtisch. Aber auch hier gelten Regeln. Die Konzepte müssen schulscharf entwickelt und können nicht einfach pauschal ausgesprochen werden. Statt mit Verbesserungsvorschlägen und eigenen Ideen auf das Schulministerium zuzugehen, wurde aber die direkte Konfrontation gesucht. Ich halte das in der aktuellen Krisensituation für fahrlässig.“

Den Stadtverantwortlichen in Wuppertal wie Stadtkämmerer Slawig, die im Solinger Weg auch ein Modell für Wuppertal sehen, widerspricht Hafke: „Die Stadt Wuppertal hat bislang weder alle vorgesehenen Möglichkeiten zur Kontaktreduzierung an Schulen ausgeschöpft noch kümmert sie sich ausreichend und vor allem proaktiv darum, die Voraussetzungen für digitale Unterrichtsformen zu schaffen. Das Land hat der Stadt ausreichend Mittel für digitale Endgeräte, wie Tablets und Laptops, zur Verfügung gestellt – bislang wurde aber nur ein Bruchteil der Mittel abgerufen, dabei wäre es so wichtig, hier endlich Tempo zu machen.“

Auch in Hinblick auf die Chancengerechtigkeit für alle Schülerinnen und Schüler äußert Hafke Bedenken gegenüber dem Solinger Modell: „Der erste Lockdown hat schmerzlich gezeigt, dass gerade die Kinder und Jugendlichen, die zuhause wenig bis gar keine Unterstützung erfahren, ins Hintertreffen geraten – allein Wuppertal sind rund ein Drittel der Kinder von Armut betroffen. Auch Berufstätige im Schichtdienst, alleinerziehende Mütter und Väter, Familien mit wenig Platz für Rückzugsräume werden bei diesem Brechstangen-Konzept schlicht vergessen. Es wundert mich, dass die Wuppertaler SPD-Landtagsabgeordneten sowie Stadtkämmerer Slawig diese Unwucht in Kauf nehmen, nur um der schwarz-gelben Landesregierung vermeintlich eins auszuwischen. Ich hoffe, dass unser neuer Oberbürgermeister Uwe Schneidewind in dieser Frage mit der Besonnenheit vorgeht, die andere leider vermissen lassen.“