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Kommentar zu Wuppertaler OB-Kandidaten: Als Frau unterrepräsentiert

Kommentar zu Wuppertaler OB-Kandidaten : Ich fühle mich als Frau unterrepräsentiert

„Was sagst du eigentlich dazu, dass in Wuppertal nur sechs Männer als OB-Kandidaten aufgestellt sind?“, fragte mich letztens eine Bekannte am Telefon. Eine gute Frage, über die ich tatsächlich noch nicht allzu viel nachgedacht habe.

Meine erste Reaktion war allerdings: „Aber da ist doch noch eine, die von der ‚PARTEI’!“ Denn Mira Lehner, OB-Kandidaten der Satire-Partei „Die PARTEI“, ist eine Frau! Viel Beachtung als potenzielle OB-Posten-Anwärterin hat sie meiner Einschätzung nach bisher allerdings nicht bekommen. Man könnte jetzt argumentieren, dass der „PARTEI“ nicht unbedingt große Chancen zugerechnet werden, die neue Wuppertaler Oberbürgermeisterin zu stellen. Tatsächlich ist sie aktuell nicht einmal im Rat der Stadt vertreten. Aber was Mira Lehner im Interview mit der Rundschau von sich gab, dem lag meiner Meinung nach ein vernünftiger Gedanke zugrunde, über den auch der ein oder andere Kontrahent mal sinnieren könnte.

Zuerst einmal ist ihr zum Beispiel ebenfalls aufgefallen, dass an Wuppertals Stadtspitze fast nur „alte weiße Männer“ stehen und dass sie das unbedingt ändern möchte. Erklärt im selben Atemzug aber auch, dass der „alte weiße Mann“ ein Denkmuster sei, dem auch Frauen verfallen können. Das geht aber schon mal nicht, wenn wir gar keine Frauen an der Spitze haben – und nur damit das klar ist: Frauen, die wie „alte weiße Männer“ denken, wollen wir übrigens auch nicht. (Eine kurze Erklärung, damit sich an dieser Stelle niemand beleidigt fühlt: Nicht jeder Mann, der alt und weiß ist, ist automatisch ein „alter weißer Mann“).

Aufgrund des Fehlens von Frauen an der Spitze habe ich mal nachgeschaut, welche Frauen es denn da überhaupt noch so in den Wuppertaler Parteien gibt, die als OB-Kandidatin in Frage kämen. Mit viel Frauen-Power präsentieren sich im Vergleich die „Grünen“ mit Yazgülü Zeybek als Spitzenkandidatin und Anja Liebert als Fraktionsvorsitzende. Dabei fällt mir auf, dass eine Frau als Fraktionsvorsitzende in Wuppertal genauso rar gesät ist wie eine Frau als Oberbürgermeisterkandidatin. In der FDP, SPD und CDU haben es die Frauen nur auf den Platz der Stellvertreterin geschafft, bei den „Freien Wählern“ nicht mal das. Nur „Die Linke“ setzt mit Susanne Herhaus ebenfalls eine Frau an die Spitze. Interessant.

Wie sieht es denn mit den Plätzen im Stadtrat aus? Auch da liegen die Grünen vorne. Fünf Frauen kommen da auf elf Sitze im Rat, das toppt nur die FDP mit fünf Frauen auf sechs Ratssitzen. Warum stellt also die FDP keine Oberbürgermeisterkandidatin? Trauriges Schlusslicht in Sachen Frauen-Power bildet wohl die Wuppertaler CDU mit drei Frauen unter 18 Ratsmitgliedern. Von denen ist vermutlich in nächster Zeit keine Stadtchefin zu erwarten. Bei näherer Betrachtung fühle ich mich als Frau irgendwie ziemlich unterrepräsentiert.

Positiv aufgefallen ist mir zumindest der Altersdurchschnitt der SPD, schließlich bin ich nicht nur eine Frau, sondern auch jung (zwar nicht so jung, wie ich aussehe, aber jung genug). 12 der 33 Wahlkreiskandidierenden der SPD sind im „Juso-Alter“, das heißt unter 35 Jahren – das zeigt, dass es in unserer Stadt sehr viele junge Menschen gibt, die sich für Politik interessieren. Auch die FDP tritt jung auf. Je höher es allerdings in der Rangliste geht, desto älter, weißer und männlicher werden die Kandidaten.