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Kommentar der Wuppertaler Rundschau zu den Forensik-Protesten

Kommentar zu Protesten gegen die Forensik : Ausfahrt dienstags und freitags möglich ...

Natürlich gehört die Forensik nach Wuppertal. Wir sind schließlich das „Oberzentrum“ des bergischen Städtedreiecks. Zugegeben, über diesen Witz werden nicht viele lachen – wie seinerzeit über das ebensolche Aufplustern der inzwischen beerdigten „Großen Kooperation“ aus SPD und CDU mit Blick auf die Outlet-Center-Diskussion. So etwas durfte eine Nachbarstadt ja nicht haben …

Die Forensik, die nachvollziehbarerweise Teil des Rechtssystems ist, wird in Wuppertal gebaut, das steht fest. Und man kann das Land NRW sogar verstehen, dass nach acht Jahren des Hin und Hers nun eine Entscheidung fallen muss und wird. Klar ist auch, dass es jetzt die Parkstraße wird.

Die ehemalige Lungenklinik Aprath wieder ins Gespräch zu bringen, war ein durchschaubares Manöver der CDU, um den Ronsdorfern den Schwenk weg von der „Kleinen Höhe“ etwas zu versüßen. Diese (neuerliche Pseudo-)Diskussion kommt natürlich viel zu spät. Auf eine Suche nach einem Standort außerhalb Wuppertal lässt sich das Land nicht mehr ein – und wird nun auf das vorhandene Gelände an der Parkstraße zurückgreifen. Wie immer in solchen Fällen läuft die Diskussion nach dem Motto „Heiliger St. Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ andere an“. Die, die die durchaus schützenswerte „Kleine Höhe“ gerettet haben, singen nun das hohe Lied der Demokratie, die Leserbriefschreiber aus Ronsdorf nicht. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

Fakt ist, dass die vor sich hinmodernde ehemalige Standortverwaltung kein Augenschmaus ist. Käme die Forensik nicht an die Parkstraße, würde dort – wie von SPD und FDP bevorzugt – Gewerbe angesiedelt. Sicher kein visueller Anziehungspunkt.

Fakt ist auch, dass schon beim Bau der Jugendvollzugsanstalt Ronsdorf von relativ wenigen sehr viel Stimmung gemacht wurde. Marodierende Banden ausgebrochener Straftäter wurden im Stadtteil aber bislang nicht gesichtet.

Vor allem aber ist Fakt, dass sich das Gesicht der Parkstraße enorm verändern wird. Sie wird als Verbindung von A1 und A46 eine autobahnähnliche Schnellstraße mit sehr, sehr hohen Lärmschutzmauern. Danach gilt das Herbert-Knebel-Sprichwort, dass man im Ruhrgebiet entweder links oder rechts von der Straße aufwächst. Die Forensik wäre auf der anderen Seite.

Die Lebensqualität in Ronsdorf wird nicht entscheidend davon abhängen, ob die Forensik an der Parkstraße gebaut wird. Sondern davon, ob der Verkehr künftig problemlos in den Stadtteil hinein- und aus ihm herauskommt, das Chaos am Morgen und Nachmittag beendet wird. Und nicht der externe die Vorfahrt hat, sich wie bislang Staus auf der Erbschlöer und der Staubenthaler Straße bilden nach der Devise „Die Ausfahrt aus Ronsdorf ist dienstags und freitags möglich“. Dafür müssen sich die Parteien einsetzen. Gefragt ist eine optimale Lösung. Auch mittags im Ex-Kreisverkehr auf Lichtscheid die Ampeln laufen zu lassen war keine.