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Kommentar zu Wuppertals Grau: Ein bisschen Schminke darf ruhig sein

Kommentar zum Stadt-Grau : Ein bisschen Schminke darf ruhig sein

„Wuppertal schminkt sich nicht“ – das berühmte Zitat von Heinrich Böll trifft auch heute noch absolut zu. Aber ganz ehrlich: Ein bisschen Schminke täte Wuppertal an einigen Stellen ganz gut.

Es gibt so viel altes und neues Beton-Grau an Fassaden, Mauern und Wänden, dass einem auch in Deutschlands grünster Großstadt das sonnige Gemüt schon mal verwelken kann. Zumal an tristen, kalten Tagen wie gerade jetzt.

Das ist aber kein Zustand, mit dem man sich abfinden muss. Bestes Beispiel: Das städtebaulich buchstäblich grauenerregende Steinbecker Tor wird jetzt auf Initiative engagierter Wuppertaler hoffentlich vom kahlen Architektur-Fauxpas mit etwas kruder Entstehungsgeschichte in einen bunten Hingucker verwandelt. Eine starke Aktion – und mal wieder eine von Bürgern initiierte. Projektionsflächen wie an der Steinbeck gibt es für Graffiti und/oder Street-Art in Wuppertal noch jede Menge. Und die Ansätze sind ja schon da: Zwei „Lego-Brücken“, die Graffiti-„Hall of Fame“ an der Trasse, künstlerisch verwandelte Stromkästen oder Abfalleimer und einige wenige spektakuläre Giebel- oder Fassadengestaltungen etwa am Arrenberg zeigen punktuell, wie man den Begriff „Stadtbild“ mit Leben füllen kann, wenn man ihn quasi wörtlich nimmt.

Außerdem war Wuppertal schon zweimal mit temporären Fassaden-Kunst-Aktionen im Fokus des weltumspannden Street-Art-Projekts „Inside Out“ – jeweils mit imposanten Porträt-Installationen am ehemaligen Weinkontor an der Friedrich-Ebert-Straße und zuletzt an der früheren Kaiser & Dicke-Fabrik in Barmen. Vielleicht kann kann man diesen Ball ja aufnehmen, an anderen Stellen weiterspielen und Wuppertal zu einer Street-Art-Metropole machen. Wer schon mal durch Brüssel gefahren ist und dort allerorten an Fassaden die großflächige Spiegelung der belgischen Comic-Kultur gesehen hat, der weiß, welche Wirkung das entfalten kann.

Flächen dafür bietet Wuppertal wie gesagt mehr als genug. Ich gehe zum Beispiel fast täglich durch die neue Unterquerung der B7 an der Südstraße, die von meterhohen Spritzbetonflächen gesäumt wird. Und das ist jeden Tag aufs Neue ein optischer Totentanz, der nach Veränderung schreit. Am Briller Kreuz steht derweil die einst von der Wuppertaler Maler-Innung überdimensional auf die dortige Stützwand gemalte Schöpfungsgeschichte, sozusagen der Dino der Wuppertaler Street-Art, vor dem endgültigen Verblassen. Das sind Stellen, an denen sich Wuppertal gerne mal schminken darf ...