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Wuppertaler Lokalpolitik: Rubbeldiekatz – und plötzlich ist Platz

Kommentar zur Lokalpolitik : Rubbeldiekatz – und plötzlich ist Platz

„Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich“ – diese beliebte Redensart passt zurzeit gut zu Wuppertal. Hier scheint das ominöse „Lösen von Blockaden“, von dem in bestimmten Bereichen der Medizin gerne die Rede ist (und niemand genau weiß, was damit eigentlich gemeint ist) gerade wie am Schnürchen zu klappen.

Beispiel Nr. 1: Nichts zu machen – das galt lange Zeit für die siebte Gesamtschule im Gebäude des früheren „Art Hotels“ in Heckinghausen. Angeblich waren die Preisvorstellungen des Immobilieneigentümers so exorbitant hoch, dass die Stadt nicht (mit-)konnte, selbst wenn sie gewollt hätte. Jetzt plötzlich geht’s doch. Nach monatelanger Hin- und Herplanerei an der Badischen Straße, wo beispielsweise eine komplette Kleingartenanlage aufgelöst und anderswo (wo eigentlich?) wieder hätte aufgebaut werden müssen. Man stelle sich nur einmal den pressewirksamen Aufschrei vor!  Kaum im Amt, setzt sich OB Schneidewind (plus Kämmerer Slawig) zu Gesprächen mit dem „Art Hotel“-Inhaber zusammen – und was unmöglich schien, läuft plötzlich.

Solche Gespräche auf höchster Ebene gab es zuvor auch schon. Nur eben erfolglos. Warum? Wer hat sich da mit wem nicht verstanden? Oder nicht verstehen wollen? Hätte man damals, wenn man sich doch verstanden hätte, um einiges weniger als die jetzt im Raum stehenden 5,6 Millionen Euro für das Heckinghauser Areal bezahlen müssen? Und keine (teure) Zeit mit dem Streit über letztlich untaugliche Alternativstandorte vertan? Andeutungen in dieser Richtung hört man zurzeit durchaus von ein paar „alten Hasen“ ...

Aber ehrlich gesagt: Die oben gestellten Fragen sind Makulatur. Erstens, weil jetzt der politisch eine große Mehrheit findende Standort „Art Hotel“ eingetütet ist. Und zweitens, weil bei den Kosten dieses Gesamtschulneubaus, die (nunmehr Ex-)Gebäudemanagement-Chef Hans-Uwe Flunkert am 11. Februar während seiner letzten GMW-Ausschusssitzung anhand eines vergleichbaren Projektes in Köln auf 80 Millionen Euro schätzte, etwa zwei Millionen mehr für einen Grundstücksankauf auch nicht mehr ins Gewicht fallen. Klingt hochmütig, ist aber so.

Fazit: „The winner takes it all.“ Im Text dieses ABBA-Liedes von 1980 geht es so weiter: „The loser’s standing small.“ Der Verlierer, der da jetzt in Wuppertal klein dasteht, ist die SPD. Aus deren Ecke kam ursprünglich die „Art Hotel“-Gesamtschul-Idee. Die geernteten Sieges-Lorbeeren zieren nun andere Häupter.

Beispiel Nr. 2: Der Streit um Abholzungen für die Erweiterung der Parkplatzfläche am beliebten Nordpark in Wichlinghausen. Intensiv wurde diese Auseinandersetzung geführt – eine kleine Fläche, die zum großen Politikum zu mutieren drohte. Gespräche mit einem Nachbarunternehmen, den dortigen, 500 Meter entfernten Parkplatz an Wochenenden doch zu öffnen, hat es gegeben. Offenbar auch hier erfolglos. Kaum schaltet sich der neue OB ein, geht’s doch. Und die umstrittenen Abholzungen (gegen die auch „Fridays for Future“-Aktivisten am Dienstag noch demonstriert hatten) sind auch vom Tisch. Mindestens mal für das ganze Jahr 2021.

Fazit: Wenig Holz, viel Wirkung. „And the winner is ...“