Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Homer und Hänchenfile

Wuppertal · Aus gegebenem Anlass musste ich dieser Tage an einen alten Witz aus den 70er Jahren denken. Er lautet: „Der WSV hat einen neuen Trainer. Der kommt aus China und heißt Wat Nu.“ Erstaunlich, dass der Gag ein halbes Jahrhundert später immer noch nicht an Aktualität verloren hat ...

 Ohne Worte.

Ohne Worte.

Foto: Wuppertaler Rundschau

Apropos verloren: Vorigen Samstag stand ich in einem Wuppertaler Geschäft staunend vor einem Kleiderständer mit Oberteilen für Radfahrer. Darüber hing ein sorgfältig gedrucktes Schild mit der Aufschrift: „Fahrradtrikos Herren“. Man muss nicht zwingend Franzose sein, um festzustellen, dass hier ganz offensichtlich ein Buchstabe verloren gegangen ist.

Für den Verlust des eigentlich gebotenen „t“ nach dem „o“ gibt es zwei mögliche Erklärungen: Zum einen könnte es natürlich Ausdruck der Tatsache sein, dass die Rechtschreibung inzwischen weitgehend durch Egalschreibung ersetzt worden ist. Zum anderen ist aber auch denkbar, dass sich der krisenbedingte gesamtgesellschaftliche Sparzwang jetzt auch auf die Schiftsprache auswirkt: Um weniger Tinte zu verbrauchen, werden bei der Schilderproduktion alle Buchstaben weggelassen, die man sowieso nicht hören kann.

Viele Wörter würden daurch immerhin viel kürzer: Bei „Schwebebanstation Oligsmüle“ wären es zum Beispiel schon drei Buchstaben weniger. Beim „Banof Vowinkel“ wären es auch drei. Und auf Speisekarten würde man sogar schon bei einem einzigen häufig gebrauchten Wort wie „Hänchenfilespis“ 20 Prozent der Buchstaben einsparen. Davon kann man beim Gas nur träumen.

Gar nicht auszudenken also, was ich bei diesem Beitrag an Plaz gespart hätte, wenn ich in allen Säzen so wie jetzt in diesem hir nur die hörbaren Buchstaben aufgeschriben hätte. Das wäre ein echter Cu geworden, der Anhängern korrekter Rechtschreibung allerdings vor Entsetzen das Tupe vom Schädel gerissen hätte.

Letztlich werde ich aber den Verdacht nicht ganz los, dass es sich bei den Fahrradtrikos doch um einen aus dem grassiernden Bildungsnotstand resultierenden Fehler handeln könnte. Bestärkt wurde ich darin durch folgendes Ereignis, das jüngst einem Bekannten widerfuhr: Er fragte in der Elberfelder Stadtbilbliothek, also quasi einer der zentralen Bildungseinrichtungen Wuppertals, nach der „Odyssee“ als Hörbuch. Antwort der Fachkraft: „Von wem war das nochmal?“

Wenn Mitarbeiter in einer Bibliothek die wohl berühmteste Erzählung der abendländischen Literatur nicht mehr kennen und ihnen zum Stichwort „Homer“ wahrscheinlich nur noch die Simpsons einfallen, dann wird deutlich, dass nicht nur der WSV einen neuen Trainer braucht. Sonst wird die Antwort beim nächsten Mal bestimmt lauten: „Odyssee? Da müssen wir mal bei Geographie gucken.“

Bis die Tage!

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