Nach Toreschluss - die Wochenendsatire In der Bronzezeit

Wuppertal · In der Elberfelder City wird ja im Moment mehr gebuddelt als während der Sommerferien an einem Nordseestrand. Eigentlich wollte ich darüber folgenden Witz reißen ...

 Roderich Trapp.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Wissenschaftler hatten nach Fertigstellung des Döppersbergs direkt dahinter Spuren früher Besiedlung und von Handelsaktivitäten gefunden. Weil man auch die gut erhaltene Statue eine dicken Frau namens Mina entdeckte, wurde der Fund der Bronzezeit zugerechnet. Man entschloss sich, das Areal wegen des großen Nachholbedarfs Poststraße zu nennen (lateinisch „post“ = „nach“) und es zügig auf den Stand einer modernen Innenstadt zu bringen ...

Jetzt ist das Ganze aber gar kein Witz mehr, weil sich die City-Bauarbeiten wegen archäologischer Funde tatsächlich verzögern. Offenbar wurden bei der Buddelei Überreste der Burg Elberfeld ausgegraben, die jetzt umfangreich wissenschaftlich gewürdigt werden müssen.

Das kommt nicht unbedingt überraschend, weil bereits 2010 bei umfangreichen Bauarbeiten in der Elberfelder Fußgängerzone Grundmauern dieser Burg freigelegt und dann schnell wieder zugeschüttet wurden. (Bau-Historiker untersuchen übrigens gerade, warum eigentlich damals so viel aufgerissen wurde und heute schon wieder.) Ich hatte den Vorgang sogar an dieser Stelle unter der schönen Überschrift „Wir sind Schliemann!“ gewürdigt. Deshalb muss man eigentlich nicht mit eigenen Händen Troja ausgegraben haben, um damit zu rechnen, dass man wieder auf die im übrigen relativ unspektakulären Steinklötze stößt.

Jetzt aber herrscht große Aufregung in Gelehrtenkreisen, weil neue Denkmalregularien dafür sorgen, dass jeder Millimeter dieser Relikte mit einer Akribie untersucht wird, die wir sonst nur vom Forensiker Professor Karl-Friedrich Börne aus dem „Tatort“ kennen. Man erhofft sich davon bedeutende Erkenntnisse über die Vergangenheit Wuppertals, das damals allerdings noch gar nicht existierte.

Wo früher durch die Stadt flaniert wurde, wird jetzt hinter rot-weißen Absperrbaken mikroskopiert, während die Baustelle in sich ruht und Geschäftsleute verständlicherweise außer sich sind, weil die einzige Frequenz, die sie noch spüren, ihr erhöhter Puls ist. Ich könnte mir vortellen, dass sie sich statt Denkmalschutz etwas mehr Schutz vor dem Denkmal wünschen ...

Daher bin ich bin auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse gespannt, die wir bei den Untersuchungen gewinnen könnten. Im Idealfall werden die Archäologen herausfinden, wie es anno 1300 möglich war, eine komplette Burg zu errchten, die offentlich so rechtzeitig fertig wurde, dass sie gut 900 Jahre später schon wieder verfallen ist. Heutzutage brauchen wir ja alleine für die europaweite Ausschreibung ungefähr so lange.

Und wenn die dann noch schief geht, fangen wir wieder ganz von vorne an. So wie bei unserer anderen Innenstadtbaustelle in Barmen, das einen Kulturteppich bekommen soll, bei dem man leider den falschen Verleger ausgesucht hat. Aber auf dem Werth haben sie immerhin keine Burgruine und können deshalb Elberfeld vielleicht trotzdem wenigstens mal beim Bauen überholen ...

Bis die Tage!

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