Nach Toreschluss - die Wochenendsatire W-Stip und SOKAPI-R

Wuppertal · Seit Freitag läuft in Wuppertal wodebuen. Das wird möglicherwiese „wodebün“ ausgesprochen und ist weder ein Tippfehler, noch die in kölscher Mundart formnulierte Frage nach einem Auftrittsort, sondern die etwas sperrige Abkürzung für „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“.

 Roderich Trapp.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Weil das ungefähr genauso kompliziert ist wie die Abkürzung, sprechen die Beteiligten lieber ganz einfach von der Ehrenamtswoche, wenn sie jemand verstehen soll.

Ist Ihnen übrigens schon mal aufgefallen, dass Abkürzungen generell immer abstruser werden? Das liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten schon vergeben sind. Selbst komplexere Buchstabenfolgen wie DSGVO für „Datenschutzgrundverordnung“ oder IKEA für „Ich krieg einen Anfall“ sind schon weg. Deshalb muss man auch in Wuppertal zusehends phantasievollere erfinden, um keine Doppler zu produzieren. Kennen Sie zum Beispiel W-Stip? Das ist kein naher Verwandter des im Bergischen weit verbreiteten Heringstips, sondern ein Stipendienprogramm des Wuppertaler Technologiezentrums.

Oder nehmen Sie mal KoSI-Lab. Ist das ein Fachbegriff für eine Forschungseinrichtung, die sich mit dem Thema Gemütlichkeit beschäftigt? Nein,. hier geht es um das Projekt „Kommunale Labore Sozialer Innovation“, das sich zum Beispiel mit der Sicherheit am neuen Döppersberg beschäftigt. Vielleicht sollte das Labor aber erstmal analysieren, wieso es KoSi-Lab heißt, obwohl die Reihenfolge seiner Anfangsbuchstaben ganz anders ist und da doch eigentlich Kolabsi stehen müsste. Aber vielleicht wäre etwas, das wie Kollaps klingt, für ein Sicherheitslabor ja auch ein schlechtes Omen ...

Besser hört sich auf jeden Fall CEVI-Kids an. Dabei handelt es sich um die Abkürzung für ein Nachmittagsprogramm des CVJM Oberbarmen, die bestimmt auch etwas bedeutet. Möglicherweise erinnert sich aber keiner mehr daran, weil es auf der gesamten Projekt-Homepage nicht erklärt wird.

Bei anderen Abkürzungen gibt es die Erklärung zwar, aber man ist dann trotzdem nicht schlauer. So wie bei SOKAPI-R. Dabei dachte ich erst an ein neues Tier im Wuppertaler Zoo. Tatsächlich geht es aber um die Wuppertaler Uni, die diese Abkürzung für ihr Projekt zur Entwicklung eines „Sozialkapital-Radars für den sozialraumorientierten Bevölkerungsschutz“ gewählt hat. Wissense Bescheid, woll ...

Aber veilleicht kommen Sie ja mit AGR33D besser zurecht. Ist das etwa ein neuer Kollege der putzigen Roboter-Legende R2D2 im nächsten Star-Wars-Film? Nein, AGR33D ist ebenfalls ein Uni-Projekt, in dem es um die „Automatisierung für flexible und erweiterbare Schalenmontagen mit digitaler Intelligenz“ geht. Als ich neulich 30 Minuten lang vergeblich versucht habe, eine moderne Kindersitzschale auf dem Rücksitz unseres Autos zu montieren, wurde mir schlagartig bewusst, wie wichtig das Thema ist ...

Vielleicht wäre mir die Montage ja besser gelungen, wenn ich beizeiten an KAoA teilgenommen hätte. Dabei handelt es sich nicht um Maoam mit Kakao-Geschmack, sondern das Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“, mit dem ein erfolgreicher Start in Ausbildung und Studium gefördert werden soll. Klappt das gut, kann man später vielleicht sogar bei EFRE Most arbeiten. Dort muss man dann allerdings keinen Fruchtsaft keltern, sondern intermodale Mobilstationen aufbauen.

Sollten Sie sich aber lieber ehrenamtlich engagieren wollen, könnte Ihnen bei der wodebuen vielleicht KlikKS ans Herz gelegt werden. Da mitzumachen ist ein Klacks, denn bei diesem NRW-Verbundprojekt geht es, wie Sie sicher schon geahnt haben, um „Klimaschutz in kleinen Kommunen und Stadtteilen durch ehrenamtliche Klimaschutzpat:innen“. Alternativ könnten Sie aber auch bei der wodebuen mal nachfragen, ob man sich eventuell auch ehrenamtlich dafür einsetzen kann, bescheuerte Abkürzungen abzuschaffen. Einen Namen für das entsprechende Projekt wüsste ich schon: „Große Aktion gegen Abkürzungswahn“ - kurz GAGA!

BDT (Bis die Tage!)

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