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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: So viele Wahlpannen

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : So viele Wahlpannen

Verwählen kann man sich nicht nur am Telefon, sondern auch an der Wahlurne. Vorigen Sonntag haben beispielsweise mehr als 200 Wuppertaler brav Kreuzchen auf einem Wahlzettel gemacht, der gar nicht für ihren Wahlkreis gedacht war und folglich die falschen Direktkandidaten enthielt.

Das wirft die Frage auf, warum diese Menschen alle nicht gemerkt haben, dass die Namen auf dem Zettel ganz andere sind als die von den Politikern, deren Kappes wochenlang an jeder Straßenecke vor ihrer Haustür hing. Die Antwort darauf weiß ich auch nicht, werte es aber als Beleg dafür, dass diese Menschen mit dem Thema Bundestagswahl ähnluch überfordert waren wie Unions-Kanzlerkandidatendarsteller Armin Laschet.

Nun wäre es natürlich ein feiner Zug von der Stadt Wuppertal gewesen, die Stimmzettel nicht zu vertauschen. Aber wo Menschen arbeiten, werden nun mal auch Fehler gemacht. Das hat man ja in der vorigen Bundesliga-Saison jede Woche bei Schalke 04 gesehen. Und dafür spricht auch noch eine andere kleine Wuppertaler Wahlpanne, die eine Nachbarin bemerkt hat: Auf den Rücksende-Umschlägen für Wuppertaler Briefwähler waren nämlich hinten Anweisungen aufgedruckt, die erklärten, wie der Wahlbürger den Unterlagenversand korrekt abzuwickeln habe. Beginnend mit den Worten: „In diesem Wahlbriefumschlag müssen sie einlegen 1. den Wahlschein ...“

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Menschen, die noch regelmäßig alle vier Fälle der deutschen Sprache verwenden, werden an dieser Stelle stutzen. Müssten wir nicht eigentlich in diesen Wahlbriefumschlag etwas einlegen und nicht in diesem? Wir biegen ja auch in diesen Weg ein und nicht in diesem. Der Dativ ist bei der Verwaltung also nicht nur dem Genitiv sein Tod, sondern auch dem Akkusativ seiner.

Wie kann sowas passieren? Möglicherweise waren zum Zeitpunkt des Drucks der Umschläge die Akkusative wie so viele andere Dinge in diesen Tagen nicht lieferbar. Oder aber die Wahlbehörde wollte hier ganz bewusst zur Barrierefreiheit der Wahl beitragen, indem man auf zu komplexen Sprachgebrauch verzichtete. Beim nächsten Mal würde ich dann aber sowas wie „Brudi tustu Wahlschein Umschlag“ empfehlen. Da kommen dann auch Erstwähler wirklich problemlos mit zurecht ...

Es gibt aber auch Wahlpannen ganz anderer Art. Von einer berichtete mir eine Bekannte, bei deren sehr betagter und ausgesprochen schwerhöriger Oma unser Wuppertaler Bundestagsabgeordneter Lindh im Rahmen seines Haustürwahlkampfes klingelte. Oma wollte ihn erst nicht reinlassen, weil ihr eingeschärft wurde, keine Fremden in die Wohnung zu lassen. Aber der wäre so nett gewesen und hätte sich so freundlich vorgestellt, dass sie sich schön mit ihm unterhalten und seine Werbezettel angenommen habe. Eines habe sie aber festgestellt: „Ganz ehrlich Kind: Im Fernsehen sah der Lindner irgendwie besser aus ...“

 Helge Lindh (re., mit Servet Köksal) im Brauhaus am Wahlabend, nachdem er das Direktmandat verteidigt hat.
Helge Lindh (re., mit Servet Köksal) im Brauhaus am Wahlabend, nachdem er das Direktmandat verteidigt hat. Foto: Christoph Petersen

„Aber Oma, das war doch der Lindh, nicht der Lindner“, sagte die Enkelin, als sie nach dem Lachkrampf wieder Luft bekam, „der hat doch auch Unterlagen von der SPD mitgebracht.“ Antwort: „Nein, nein, das war Lindner. Hat mich aber auch gewundert, dass der die falschen Sachen mit hatte ...“

Bis die Tage!