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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Schmierwurst ohne Wurst

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire : Schmierwurst ohne Wurst

Es gibt da eine Frage, die mich schon länger beschäftigt: Warum wollen Vegetarier eigentlich Sachen, die sie gar nicht mögen oder essen möchten, durch etwas anderes nachbilden? Ich rede zum Beispiel von Tofuwurst oder Sojaschnitzel.

Ich mag kein Kassler mit Sauerkraut und komme auch nicht auf die Idee, eingelegte Gurken in lange schmale Streifen zu schneiden und gelb anzumalen sowie einen Schwamm zu braten, um diesen Klassiker der schwer verdaulichen Küche zu imitieren.

Irgendwie scheine ich damit aber inzwischen ein Exot zu sein. Immerhin verkauft Rügenwalder heutzutage mehr Wurst aus Pflanzen als aus Tieren. Man darf es getrost als verkäuferische Glanzleistung betrachten, wenn es einem Unternehmen gelingt, Schmierwurst ohne Wurst, also im Prinzip nur Schmier, an den Mann oder die Frau zu bringen. Noch beeindruckender ist Fleischwurst ohne Fleisch und Wurst, also im Prinzip gar nichts mehr zu verkaufen und dafür wegen des aufwändigen Herstellungsprozesses mehr Geld zu nehmen als für das Original-Produkt. Wobei: Fleischwurst ohne Fleisch und Wurst ist im Prinzip wie Sommerurlaub ohne Sommer und Urlaub – und der ist ja dieses Jahr auch für viele Wuppertaler auf Balkonien absolute Realität. Wenn man in den Fernsehnachrichten während Olympia öfter das Wort „Tiefdruckgebiet“ als „Goldmedaille“ hört, dann führt das insgesamt zu schlechter Laune. Nicht mal mehr auf den Deutschland-Achter ist Verlass. Möglicherweise haben die Jungs zu viel Fleischwurst ohne Fleisch und Wurst gegessen und deshalb nicht genug zuzusetzen gehabt ...

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Passend zu diesem Thema ist jetzt auch noch Alfons Schuhbeck pleite. Ich hatte ja immer schon vermutet, dass der als Inbegriff der blondierten Wurstigkeit geltende Koch über Jahre hinweg offensichtlich nicht in seiner bayerischen Heimat, sondern in unserem Fernseher gewohnt hat. Er tauchte nämlich praktisch immer auf, sobald man die Kiste einschaltete. Da drin ist er dann wahrscheinlich nicht mehr dazu gekommen, die Buchführung zu machen, weil er sich für die ganzen TV-Shows rund um die Uhr neue Rezepte ausdenken musste, die man immer schon mal dringend nicht nachkochen wollte.

Möglicherweise muss Schuhbeck jetzt bei McDonald’s kochen, um seine Verbindlichkeiten abzuarbeiten. Übrigens verkauft auch die Mutter aller Burgerschmieden inzwischen vegetarische Fleischklopse ohne Fleisch. Sie bestehen aus Karotten, Paprika, Erbsen, Brokkoli und Pastinaken, also allem, was kleine Kinder gerne überhaupt nicht mögen.

Wenn McDonald’s damit ähnlich erfolgreich ist wie Rügenwalder mit Fleischwurst ohne Fleisch und Wurst, dann versuchen die bestimmt auch noch den nächsten fleischlosen Coup: den McRipp aus alten Unterhosen ...

Bis die Tage!