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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Comirnaty und Vaxzevria

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Comirnaty und Vaxzevria

Es ist schon kurios: Im Dezember wollte sich laut Umfragen rund die Hälfte der Deutschen nicht gegen Corona impfen lassen. Die Menschen befürchteten, dass man ihnen dabei die DNA von Bill Gates einpflanzt oder es ganz schreckliche Nebenwirkungen gibt.

Ihnen würden bestimmt Insektenfühler oder ein dritter Arm wachsen und manche Raucher hatten Angst davor, vom Impfen Würfelhusten zu bekommen oder weniger lang zu leben. Dieselben Menschen betuppen nur ein halbes Jahr später ungefähr so wie Wirecard bei den Bilanzen, um irgendwie an eine Impfung zu kommen, weil man danach möglicherweise stressfrei in den Urlaub oder in die Kneipe kann.

Als zweite Kontaktperson einer schwangeren Persianerkatze muss man natürlich auch ganz dringend auf die Warteliste. Und zwar unbedingt noch vor den Gaunern, die mit Kartoffelstempeln Arztbescheinigungen fälschen und pflegebedürftige Angehörige ins Feld führen, die sie seit zehn Jahren nicht mehr gesehen haben. Viele Leute haben auch erstmals ihren Body-Mass-Index ausgerechnet, weil es ja sein kann, dass man nur ein paar Kilo zunehmen muss, um wegen Adipositas zur Risikogruppe zu gehören.

Keine Frage: Die Impfung hat mittlerweile Rolls Royce und Rolex als Statussymbol abgelöst. Ich wette, dass Sie in den letzten paar Wochen kein Gespräch geführt haben, bei dem Ihr Gegenüber nicht gefragt hat: „Und? Bisse geimpft?“ Wer dazu „ja“ sagen kann, hat es gesellschaftlich geschafft. Außer er kann die unumgängliche Anschlussfrage nicht adäquat beantworten. Die lautet „Womit denn?“ und lässt jede erdenkliche Antwort zu außer einer: Wer an dieser Stelle „AstraZeneca“ sagt, wird unmittelbar Sätze hören wie „Ach du je, konnte man da gar nichts machen?“ oder „Wer erbt eigentlich nach deinem Tod deine Plattensammlung?“

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AstraZeneca ist wie Sommerurlaub im Sauerland: Besser als gar nix, aber wirklich haben will das keiner. Das liegt im Wesentlichen daran, dass man das Image von AstraZeneca behördlicherseits so gepflegt hat, dass es jetzt ungefähr so gut ist wie das von DFB und Schalke 04 zusammen. Deshalb wundert es mich nicht, dass ein Freund auf die obligatorische Frage stolz zu mir sagte: „Ich habe Biontech bekommen, den Mercedes unter den Impfstoffen ...“

Das ist übrigens inhaltlich Unsinn, weil der Impfstoff von Biontech gar nicht Biontech heißt, sondern „Comirnaty“. Aber Biontech hört sich irgendwie besser an, weil da „Bio“ und „Technik“ drinsteckt, während „Comirnaty“ eher an einen klingonischen Raumschiffkommandanten erinnert. Bei AstraZeneca heißt der Impfstoff übrigens „Vaxzevria“, was sich noch weniger wie etwas anhört, das man gerne hätte. „Vaxzevria“ klingt für mich eindeutig nach Enthaarungsmittel für Füße.

Durch die aktuellen Entwicklungen ist übrigens auch eine ganz neue Volkskrankheit entstanden: Impfneid! Wenn ich trotz dramatischer Vorerkrankung in Form eines vor zehn Jahren überstandenen Fußpilzes noch nicht geimpft bin, dann sollen es die anderen Fötte aber wenigstens auch nicht sein ...

Merke: Außergewöhnliche Zeiten wie diese bringen gerne das Schlechte im Menschen zum Vorschein. Wobei ich auf die Zeiten, in denen das mal umgekehrt ist, irgendwie schon seit fünf Jahrzehnten warte ...

Bis die Tage!