Corona-Pandemie Krisenstab: Oster-Besuche, AstraZeneca, Lolli-Tests

Wuppertal · Der Krisenstab der Stadt hat in seiner Sitzung am Mittwoch (31. März 2021) beschlossen, dass auch in Wuppertal abweichend von der ansonsten restriktiveren Linie Lockerungen für Zusammenkünfte über die Oster-Feiertage analog zur Regelung des Landes gelten sollen. Von Karfreitag bis Ostermontag sind damit private und Treffen im öffentlichen Raum auf zwei Haushalte bis jeweils fünf Personen begrenzt, wobei Kinder unter 14 Jahren nicht mitgerechnet werden.

 Symbolbild.

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Foto: Christoph Petersen

„Wir wollen damit dem verständlichen Wunsch der Familien nach Kontaktmöglichkeiten über Ostern Rechnung tragen, aber gleichzeitig auch dem Inzidenzwert, der sich in Wuppertal deutlich der 200er-Schwelle nähert“ erklärten dazu Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und Krisenstabsleiter Johannes Slawig. „Wir müssen jetzt das richtige Maß zwischen notwendiger Sorgfalt und den verständlichen Bedürfnissen der Menschen nach Zusammenhalt im Familien- und Freundeskreis finden. Das Osterfest hat für viele Bürgerinnen und Bürger eine besondere Bedeutung. Gleichzeitig erreichen uns besorgniserregende Rückmeldungen aus dem Gesundheitsamt und den Wuppertaler Krankenhäusern. Wir rufen alle Wuppertalerinnen und Wuppertaler auf, von den Angeboten für Schnell- und Selbsttests umfassend Gebrauch zu machen, um die Angehörigen und Freunde zu schützen.“ Der Krisenstab wird am Karsamstag wieder tagen, um insbesondere über mögliche Einsatzlagen für Ordnungsdienst und Polizei an Hotspots, aber auch die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens zu beraten.

Gewerbekontrollen in 24 Betrieben am Dienstag (30. März) hatten keine Beanstandungen zur Folge. „Vielmehr konnten die Kontrolleure dem Handel einen sehr umsichtigen Umgang mit der „Click & Meet“-Option bescheinigen. Die Zahl der Kundinnen und Kunden in den Geschäften blieb zurückhaltend. Einige Läden in den Citys blieben geschlossen“, so die Verwaltung. Die Leistungsfähigkeit der Wuppertaler Test-Infrastruktur habe die erste Bewährungsprobe bestanden: Die Anzahl der Schnelltests erhöhte sich bereits vor der „Click & Meet“-Option von rund 2.700 in der 10. Kalenderwoche auf über 13.400 in der vergangenen Woche (12. Woche). „Damit sammeln wir wertvolle Erfahrungen im abgesicherten Modus“, so Schneidewind und Slawig.

Der Krisenstab hat unterdessen beschlossen, dass in den städtischen Kitas künftig die so genannten „Lolli-Tests“ eingesetzt werden sollen. Grund seien massiv ansteigende Fallzahlen bei den betreuten Kindern, die offenbar auf die britische Erreger-Mutante zurückzuführen seien. Überlegungen, auch in diesem Bereich Schnelltests einzusetzen, verfolgte das Gremium nach umfassender Beratung mit den Einrichtungen und dem Gesundheitsministerium nicht weiter. „Trotz der zeitlichen Nachteile durch die Labor-Diagnostik eines PCR-Tests haben wir uns davon überzeugen lassen, dass die .Lolli-Tests‘ für die kleinen Kinder die einzig praktikable Variante sind“, begründet Gesundheits-Ingenieur Matthias Buntrock-Schweer die Entscheidung.

Der Krisenstab weist noch einmal nachdrücklich darauf hin, dass angesichts der massiv steigenden Infektionsraten Sport in Gruppen weder für Erwachsene noch für Kinder zulässig ist. „Gerade in den Altersklassen bis 20 Jahre registrieren wir einen relativen Anstieg der Positivbefunde, der alle nicht unabweisbaren Kontakte ausschließt“, so Slawig. Die Stadt hat daher auf allen Freianlagen sportliche Aktivitäten auf eine Person plus Trainer bzw. Individualsport in Gruppen von zwei Sportlerinnen oder Sportlern begrenzt. In den Grünanlagen und Wäldern gilt die Regelung für den öffentlichen Bereich: Hier dürfen zwar mehr Personen zusammenkommen, allerdings nur aus höchstens zwei Haushalten. Sportliche Aktivitäten von größeren Gruppen oder die Freigabe von Bolzplätzen für junge Kicker sind damit ausgeschlossen.

55.000 Impfungen, davon 33.000 im Impf-Zentrum am Freudenberg, 16.500 in den Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen, 5.300 in Krankenhäusern – das ist die Wuppertaler Impf-Bilanz. Dazu kommen erfreulicherweise die ersten pflegebedürftigen Menschen über achtzig, die endlich zuhause geimpft werden konnten, mitsamt ein oder zwei Pflegepersonen. Außerdem startet spätestens ab Dienstag nach Ostern die Impfung durch die Hausarztpraxen für Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen. „Wichtig hier, wie auch bei den Impfberechtigten aufgrund ihres Alters: Bitte warten Sie auf eine Einladung Ihres Hausarztes bzw. des Gesundheitsministers NRW und sehen Sie bis dahin von telefonischen Nachfragen in den Praxen und bei der Kassenärztlichen Vereinigung bzw. im Impf-Zentrum ab. Sie werden umgehend benachrichtigt, wenn Sie an der Reihe sind“, heißt es aus dem Rathaus.

Von der Aussetzung des AstraZeneca-Impfstoffes ist das Impfzentrum am Freudenberg nicht betroffen, da hier die nächsten Zweit-Impfungen mit diesem Impfstoff erst wieder für Anfang Mai geplant sind. Bis dahin läuft der Impf-Betrieb in vollem Umfang mit BioNTech und Moderna weiter.

„In Nordrhein-Westfalen können sich über 60-Jährige ab Ostern mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen. Am Samstag wird dafür die Terminvergabe in den Impfzentren freigeschaltet“, hat Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Mittwoch angekündigt. 380.000 Impf-Dosen sollen danach zusätzlich auf die NRW-Impf-Zentren verteilt werden und ab Oster-Dienstag, Diese Ankündigung hat auch im Wuppertaler Impfzentrum und im Bergischen Service-Center zu zahlreichen Nachfragen geführt, wo man sich zur Impfung anmelden kann?Der Krisenstab der Stadt Wuppertal bittet alle über 60-jährigen Bürgerinnen und Bürger um noch ein bisschen Geduld, bis konkrete Informationen des Landes vorliegen. Für morgen, Donnerstag (1. April) rechnet das Impf-Zentrum mit dem Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen zum weiteren Verfahren. Es wird davon ausgegangen, dass die Terminreservierung auch für diese Impfungen über die Hotline und das Online-Reservierungssystem der Kassenärztlichen Vereinigung organisiert werden wird, und erste Impfungen ab Dienstag nach Ostern (6. April) zur Verfügung stehen.

Absage für den Modellversuch in dieser schwierigen Phase

Angesichts der besorgniserregenden Infektionszahlen hat der Wuppertaler Krisenstab in Abstimmung mit den Nachbarn Remscheid und Solingen die Interessensbekundung als Modellkommune zurückgenommen. „Unabhängig von dem sehr kurzfristigen Verfahren, das die Kommunen zu Recht kritisiert haben, bleiben wir aber natürlich in dieser Frage am Ball“, betont Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. „Als digitale Modellregion werden wir uns weiter mit den Wuppertaler Entwicklungen bliggit und Hygiene-Ranger aufstellen und auch unsere Impf- und Test-Strategien immer weiter ausbauen. Als Zentrum der Event-Branche sehen wir uns für künftige Modellversuche prädestiniert, aber nicht unter den aktuell vom Land beschriebenen Voraussetzungen.“

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