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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Olympische Geisterspiele

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Olympische Geisterspiele

Trotz der sich verdichtenden Anzeichen für ein baldiges Ende der Welt gibt es Sachen, die gehen einfach nicht. Zum Beispiel, dass die Bezirksvertretung Elberfeld am 25. August im Barmer Haus der Jugend tagen muss. Das ist ja im Prinzip so, als würde man die Hauptversammlung von Borussia Dortmund in der Arena auf Schalke abhalten ...

Genauso inakzeptabel ist die Tatsache, dass bei den Olympischen Spielen die Fan-Lärmkulisse vom Band eingespielt werden soll. Weil es in Tokio inzwischen mehr Corona als Sushi gibt, finden die Wettkämpfe ja ohne Publikum statt. Das Konzept, Geräusche von Zuschauern einzuspielen, die gar nicht da sind, kannte man bisher nur von amerikanischen Sitcoms, bei denen virtuelle Betrachter alle zehn Sekunden über Dialoge lachen, die ungefähr so witzig sind wie Olaf Scholz.

Man bräuchte im Prinzip nur noch künstliche Athleten, dann würde die Veranstaltung komplett automatisch ablaufen, keiner bekäme Corona und wir müssten uns nicht die Nächte um die Ohren hauen, um zu gucken, ob Deutschland im Kleinkaliberpistolenweitwurf oder im Gewichtheben der bärtigen Frauen über 70 Kilogramm wieder keine Bronzemedaille holt. Denn es handelt sich ja bekanntlich nicht nur wegen des fehlenden Publikums um Olympische Geisterspiele, sondern auch, weil die Hälfte des Programms irgendwann zwischen Mitternacht und dem Frühstück übertragen wird.

Kritiker werden jetzt sagen, dass es doch im Prinzip völlig egal ist, ob man beim Grand Prix Special im Dressurreiten oder dem von eher mittelmäßiger Dynamik geprägten 50-Kilometer-Gehen nachmittags oder um 3 Uhr nachts einschläft. Aber es gibt doch auch Dinge, die neugierig machen. Ich habe zum Beispiel am Donnerstag den Softball-Kracher USA gegen Kanada verpasst, der leider um 2 Uhr nachts angepfiffen wurde. Dabei wollte ich schon immer mal gucken, was das überhaupt für ein Sport ist. Bisher dachte ich beim Stichwort Softball eigentlich immer nur an die 200 lulligen Querpässe pro Spiel,. mit denen Toni Kroos seine Ballkontaktzahl bei Länderspielen immer sehr erfolgreich in die Höhe des Inzidenzwertes von Tokio geschraubt hat, ohne einen Meter Raum zu gewinnen.

Apropos Geisterspiele: Mysteriös ist auch, ob wir jetzt eigentlich die Olympischen Spiele 2020 oder 2021 haben. Die haben ja bekanntlich noch mehr Verspätung als ein handelsüblicher ICE, was bei der Benennung einige Unsicherheit aufkommen lässt. Sportfachlich betrachtet handelt es sich genau genommen um die Spiele zur Feier der 33. Olympiade moderner Zeitrechnung. Wobei man sagen muss, dass uns diese Olympiade im wesentlichen Naturkatastrophen, menschliche Katastrophen wie Donald Trump und eine weltweite Corona-Pandemie gebracht hat. Deshalb ist es durchaus angemessen, sie eher im kleinen Rahmen ohne Zuschauer zu feiern.

Bis die Tage!