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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: „Po-Pock“, „Tock-Tock“

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : „Po-Pock“, „Tock-Tock“

Haaallloooo – können Sie mich hören? Ja? Schön, ich Sie aber nicht. Direkt unter unseren Redaktionsfenstern hat sich seit einigen Tagen nämlich eine Baustelle entwickelt, die in sich mit ihren Lärm-Emissionen etwa auf dem Niveau eines Motörhead-Konzerts bewegt, über das gerade eine Düsenjäger-Staffel fliegt. Sie ist allerdings noch etwas lauter.

Nun war es bei uns noch nie sonderlich leise, was nicht ausbleibt, wenn man sein Büro direkt an der vierspurigen Bahnhofsstraße genau über einer Ampel hat, an der alle paar Sekunden Busse und Schwerlastverkehr versuchen, bei Grün mit geballter Kraft am Berg anzufahren. Wenn gerade Rot ist, piept ersatzweise die Ampel im schrillen Frequenzbereich der gerade noch für Menschen wahrnehmbaren Töne, damit Blinde über die Straße gehen können. Das ist vorbildlich, wenn man als Passant danach die Ampel hinter sich hat, aber etwas nervig, wenn man den ganzen Tag quasi neben ihr sitzt.

Als Ausgleich im Bass-Segment hat die Stadt beim Umbau der Bahnhofstraße im Zuge des Döppersberg-Projektes exakt unter unserer Redaktion einen stählernen Kanaldeckel einbauen lassen, der so wackelig ist, dass bei jeder Überfahrt eines Fahrzeugs ein metallisch dröhnendes „Po-Pock“-Geräusch die Umgebung erschüttert.

Fährt gerade kein Laster an und die Ampel piept aus Versehen auch nicht, dann bremst auf der unmittelbar angrenzenden, gefühlt 24-spurigen Eisenbahnstrecke ein Zug vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof und erzeugt dabei ein Ihnen von vielen Aufenthalten an der Bahnsteigkante bekanntes Geräusch, das führende Lärmdesigner aus einer Mischung von Zahnarztbohrer und Kreissäge zusammengesetzt haben.

  • von
Roderich
Trapp
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Weitere Pausen werden erfolgreich von Motorrädern und Autoposern gefüllt, die beim Anfahren ganz alleine den kompletten Sound des Starts beim Formel-1-Rennen simulieren können. Wenn sie ein Stück weiter aus der Kurve fliegen, dann rasen Streifenwagen, Notarzt und Feuerwehr mit Martinshorm an unseren Fenstern vorbei und geben uns den Rest.

Macht man das Fenster zu, dann hört man dieses kakophonische Potpourri nur gedämpft. Allerdings muss man wegen Corona ja ständig lüften, so dass diese Option seit anderthalb Jahren dauerhaft entfällt. Jetzt plötzlich bekommen wir aber von diesem Krach gar nichts mehr mit, weil er durch eine neue, überragende Lärmquelle ersetzt wurde: Auf 100 Metern Länge werden direkt unter uns Fernwärmeleitungen in die Bahnhofstraße hinein verlegt, die bisher außen oberhalb der Bahngleise hingen. Dort hingen sie unserer Ansicht nach gut, jetzt werden sie aber verbuddelt.

Zu diesem Behufe wurde zunächst ein Bagger in Stellung gebracht, der mit einer Art Metall-Zahnstocher von morgens bis abends auf den Asphalt einpickte. Das machte „Tock-Tock-Tock-Tock“ und dem Aphalt tendenziell weniger aus als unseren Ohren, weshalb sich der Vorgang tagelang hinzog.

Danach wurde eine Schaufel an den Bagger gemacht, um damit Geröll auszuheben und es aus respektabler Höhe in Stahlcontainer purzeln zu lassen. Das führte zu einer Art „Knirsch-Mergel-Knuff-Rumpel-Schepper“-Geräusch, das mit dem heiseren Stöhnen im Grenzbelastungsbereich arbeitender Dieselmotoren unterlegt wurde.

Anschließend kamen in solider Handarbeit bediente Presslufthämmer zum Einsatz, die mit schneller getaktetem „Tack-Tack-Tack-Tack“ auf weitere Gesteinsschichten und unsere Trommelfelle einhieben. Also setzten wir alle Hoffnung auf den allseits beschworenen Materialmangel am Bau und das Fehlen von Fachkräften, um vielleicht eine akustische Verschnaufpause zu bekommen. Stattdessen kamen Männer, die begannen, irgendwelche für uns nicht sichtbaren Dinge in der Baugrube mt einer Art Trennschleifer zu bearbeiten, der mutmaßlich in autoritären Regimen auch als Folterinstrument eingesetzt wird.

Er stößt ein „Kreiiiiisch-Kniiiirsch-Siiiirrrr-Brooommm“ in Verbindung mit bis zu uns in die vierte Etage aufsteigendem Feinstaub-Brodem aus, der die Maschinenführer selbst gar nicht zu stören scheint. Wahrscheinlich, weil sie bei jeder denkbaren Unterbrechung so intensiv rauchen, dass sich die Pausen Umgebungsluft-technisch gar nicht von den Arbeitsphasen unterscheiden.

Laut der Homepage der Stadtwerke ist das voraussichtliche Baustellenende Mitte Dezember. Sicherheitshalber hat man das Jahr nicht dazugeschrieben. Auf jeden Fall muss die Grube am Ende wieder verfüllt und die Erde verdichtet werden. Das zugehörige Geräusch kennen wir noch vom B7-Umbau, der ebenfalls überwiegend direkt unter unserem Fenster stattgefunden hat. Es macht dann tagelang „Bomm-Bomm-Bomm-Bomm“ – und irgendwann fallen die Stecker aus dem Computer. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal auf die Rückkehr von „Po-Pock“ freuen würde ...

Bis die Tage!