Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Die Bier-Bundesliga

Wuppertal · Neulich fuhr ich auf einer Autobahn in München an einem imposanten Firmengelände mit riesigen silbernen Tanks vorbei. Weil es mich entfernt an das Bayer-Werk in Elberfeld erinnerte, war ich sicher, dass es sich um einen bedeutenden Produktionsstandort der chemischen Industrie handeln müsse. Tatsächlich war es aber die Paulaner-Brauerei, was deutlich macht, welche Dimensionen die Bierproduktion in Bayerns Hauptstadt hat.

 Getränkemarktleiter Oliver Kuhn (li.) und Edeka-Geschäftsführer Markus Billstein zeigen ihr hauseigenes Bier-Billsteins-Bremme-Bräu (BBB).

Getränkemarktleiter Oliver Kuhn (li.) und Edeka-Geschäftsführer Markus Billstein zeigen ihr hauseigenes Bier-Billsteins-Bremme-Bräu (BBB).

Foto: Mergim Demelezi

In Wuppertal wird Bier dagegen nur noch in Mengen gebraut, die ihre Produzenten gut selbst auftrinken können. Das war mal anders, als wir noch weit über 100 Brauereien hatten, die aber irgendwann noch schneller von der Bildfläche verschwunden sind als britische Premierministerinnen.

Deshalb hat es mich tendenziell überrascht, dass Wuppertal in Deutschlands Bier-Ranking vor München liegen soll. Das behauptet jedenfalls der Gastronomie-Ausstatter „expondo“, der eine Hitliste der Bierkultur für die 20 größten deutschen Städte erstellt hat. Darin belegt Wuppertal Platz 14 und hängt Bier-Klitschen wie München (nur Platz 17) locker ab.

Nachdem Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter neulich erst einen Bier-GAU erleben musste, weil er beim Oktoberfest nach einheimischen Maßstäben beschämende drei Schläge für den Fassanstich brauchte, kommt jetzt noch der Super-GAU mit dem Debakel im Bier-Rankig. Vermutlich wirft Reiter jetzt in seinem Büro wütend mit Bierkrügen nach seinen Mitarbeitern und fragt sich immer wieder: „Drei Plätze hinter Wuppertal, wie konnte das passieren?“

Das frage ich mich mit Blick auf die Zahlen in der „expondo“-Untersuchung allerdings auch: München ist da mit 36 Brauereien notiert, Wuppertal mit drei. Außerdem kommt München auf 134 Biergärten und damit fast doppelt so viele pro 100.000 Einwohner wie Wuppertal, das insgesamt 18 Biergärten haben soll, von denen ich allerdings nicht genau weiß, wo sie eigentlich sein sollen.

Das könnte daran liegen, dass die sicherlich mit führenden Bierologie-Professoren aus aller Welt besetzte „expondo“-Untersuchungskommission einfach alle Läden herangezogen hat, bei denen in Google Maps das Wort „Biergarten“ auftaucht. Dank dieser genialen Methode zählt dann der Königliche Hirschgarten mit 8.000 Plätzen genauso viel wie drei Tische vor der Burgschänke in Elberfeld – und Wuppertal hat in der Bier-Bundesliga plötzlich beste Karten.

Denn bei den Bierpreisen machen wir München wirklich platt: Der Wuppertaler zahlt durchschnittlich 3 Euro für ein 0,3 Liter-Glas Bier, der Münchener aber 3,90 Euro. Diese Preise haben die Bierologen übrigens aus einer qualifizierten Betrachtung von bis zu zehn Online-Speisekarten gewonnen.

Nun hat zwar in München wahrscheinlich noch nie jemand weniger als einen halben Liter Bier bestellt, aber was soll‘s: Weil aus den Preisen, der Biergartenquote inklusive sinnfreier Online-Bewertungen für die Biergärten und dem Brauerei-Gedöns mit nicht näher erläuterten Kriterien ein am Ende daher auch kaum bierernst zu nehmender Gesamtwert gebildet wird, schlägt Wuppertal München mit 2,39 zu 2,19!

Während sich also unser Fremdenverkehrsbüro am Döppersberg auf die bevorstehende Welle von Bier-Erlebnistouristen vorbereitet und Hopfen und Malz eilig ins Stadtwappen integriert werden, liegen sich wildfremde Wuppertaler in den Armen, freuen sich über diesen Überraschungserfolg-

Und werden sich sagen: Driet wat drop, in der Fußball-Bundesliga ist ja auch nicht jeder Sieg wirklich verdient ...

Bis die Tage!

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