Kommentar zu Wuppertals „Radverkehr der Zukunft“: ein Ratespiel

Kommentar zu Wuppertals „Radverkehr der Zukunft“ : Unser Radwegenetz grenzt an ein Ratespiel

Die Uni Wuppertal freut sich über den Förderbescheid zur Stiftungsprofessur „Planungswerkzeuge für den Radverkehr der Zukunft“, was auf den Punkt gebracht heißt: Radverkehr und Radinfrastruktur werden ab sofort Uni-Fach. Studierende erforschen, was eine Stadt fahrradfreundlich macht und entwickeln Lösungen für Fahrradverkehrsprobleme. Das ist wirklich toll und ich hoffe, dass die Studenten damit direkt vor der Uni-Haustür anfangen.

Die Uni Wuppertal freut sich über den Förderbescheid zur Stiftungsprofessur „Planungswerkzeuge für den Radverkehr der Zukunft“, was auf den Punkt gebracht heißt: Radverkehr und Radinfrastruktur werden ab sofort Uni-Fach. Studierende erforschen, was eine Stadt fahrradfreundlich macht und entwickeln Lösungen für Fahrradverkehrsprobleme. Das ist wirklich toll und ich hoffe, dass die Studenten damit direkt vor der Uni-Haustür anfangen.

Bis auf ein paar gut gemeinte Vorstöße in Richtung Fahrradfreundlichkeit (die Busspur auf der Gathe ist mittlerweile für Radfahrer geöffnet, der Wall seit dem letzten Wochenende in beide Richtungen befahrbar), ist von Radinfrastruktur in Wuppertal nicht viel zu sehen.

Unser Radwegenetz grenzt vielmehr an ein Ratespiel oder an einen Irrgarten, in dem man immer wieder in einer Sackgasse steht und sich fragt: Wie geht es jetzt weiter? Fahrradwege enden im Nichts oder führen auf Straßen und laufen parallel auf dem Gehweg weiter. Busspuren werden freigegeben und verschwinden nach 100 Metern im Nirvana.

Ein hervorragendes Beispiel: Die Radwegeführung Richtung Osten entlang der B7 zwischen der Sankt-Laurentius-Schule und dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium. Vom Robert-Daum-Platz aus werde ich als Radfahrer eigentlich auf den Fahrradweg gelenkt. Gleichzeitig sagt mir ein Schild neben der Busspur: für Radfahrer frei. Ein paar Meter weiter sind dann sowohl Busspur als auch Radweg zu Ende. Was jetzt? Ab auf die B7, als Radfahrer nicht gerade meine Lieblingsstraße.

Auf Höhe der Tankstelle taucht plötzlich wieder ein vermeintlicher Radweg auf dem Gehweg auf. Aber Halt, die Fahrradsymbole auf dem rot abgesetzten Streifen wurden überpinselt. Den Radweg gibt es nicht mehr. Also bleibe ich auf der B7.

Kurz vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium packt mich die Angst. Wo lang jetzt? Mit meinem Fahrrad über die vierspurige Kreuzung? Das Radwegenetz sieht vor, dass ich jetzt in die Immermanstraße und dann auf die Südstraße abbiege, um die B7 zu  unterfahren und kurz darauf rechts auf eine Fahrradspur abzubiegen. Ohne Beschilderung weiß ich davon aber nichts.

Lustig auch, dass das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium im Zuge seiner Umgestaltung zwölf neue, glänzende Fahrradständer auf dem Schulhof installiert hat. Aber wie kommen die Schüler sicher dorthin?

Norina Peinelt, Beauftragte für den nicht motorisierten Verkehr in Wuppertal, gibt eine Antwort. Die Busspur vor der Sankt-Laurentiusschule soll in den nächsten Monaten bis zur Kasinostraße verlängert werden und ist dann durchgängig für Radfahrer freigegeben. Dann fehlen nur noch die paar Meter bis zur Immermannstraße. Eine Busspur dort war bisher noch nicht vorgesehen, wird jetzt aber zur Diskussion gestellt. Die Radwege auf dem Gehsteig sind nicht mehr gültig. Brummt Ihnen jetzt auch der Schädel?

Über ähnlich verwirrende Zustände beschweren sich Anwohner im Vohwinkeler Feld, in dem eine frisch aufgemalte Radspur anstatt an den Fahrradweg anzuschließen auf die Straße führt. Die Begründung: Der “alte“ Radweg ist nicht mehr zeitgemäß und nach neuen Standards zu schmal, beide Wege können genutzt werden.

Vielleicht sollten wir alle diese Fahrradspur-Fauxpas einmal sammeln und sie zum Start des neuen Studiengangs gebündelt den Studierenden übergeben. Der erste Forschungsauftrag zu Wuppertals (nicht vorhandener) Fahrradinfrastruktur. Oder wäre das für den Anfang vielleicht zu heftig?!