Kommentar: Kein Bundesgeld für Betrieb des Bausch-Zentrums Wuppertal

Kommentar: Kein Bundesgeld für den Betrieb des Bausch-Zentrums : Mut - und nicht zurückweichen

Es lag schon eine ganze Weile in der Luft, dass die Kassen des Bundes für die laufenden Kosten des Wuppertaler Pina-Bausch-Zentrums verschlossen bleiben werden. Zehn Millionen Euro pro Jahr waren veranschlagt, um das zukünftige Zentrum, das in etwa sechs Jahren öffnen soll, „am Laufen“ zu halten. Jetzt gibt’s drei Millionen Euro weniger.

Stadtkämmerer Johannes Slawig, ein großer Fan des Zentrums für das bundes- und weltweit beachtete Thema Pina Bausch, hat jetzt etwas gezeigt, das in Wuppertal oft bitter vermisst wird: Mut. Slawigs Devise: Dann machen wir es jetzt mit den „nur“ sieben Millionen, die durch die Stadt selbst und das Land NRW schon „safe“ sind. Aber wir machen es. Jetzt. Was wäre der übliche Wuppertaler Weg gewesen? Zaghaftes Zaudern, Verschieben auf die lange Bank. Es ist zu hoffen, dass genau das nun nicht doch noch irgendwie passiert. Denn: Eine Chance wie das Pina Bausch Zentrum wird Wuppertal nicht noch einmal bekommen. Nicht nur, dass damit das wunderbare Schauspielhaus in eine lebendige Zukunft geführt werden wird. Die kulturelle Welt wird mit ganz anderen Augen (beziehungsweise überhaupt einmal) auf Wuppertal blicken. Abwarten oder gar endloses Diskussions-Hin-und-Her (wie in Sachen FOC/DOC-Streit gerade beinahe bis zur Lächerlichkeit geschehen) wäre in diesem Zusammenhang der völlig falsche Weg. Es mag Parteien und Menschen geben, denen all das nicht gefällt: Die Freien Wähler sprechen beispielsweise vom „Verpulvern von Geld für Luxusprojekte“. Aber: Das Pina Bausch Zentrum ist kein Luxusprojekt. Hier sind besondere Anstrengungen nötig. Wuppertal muss sich jetzt klar bekennen. Den entsprechenden Ratsbeschluss gibt es. Dahinter darf nicht zurückgewichen werden. Nur Mut! Ja – der Kämmerer lamentiert oft wegen Wuppertals klammer Kasse. Er trägt für die Kritik, die es jetzt an seinem Vorstoß gibt, sozusagen selbst die Verantwortung. Denn gerade wegen des „Kein Geld“-Themas, mit dem Johannes Slawig identifiziert wird, muss manches soziale, infrastrukturelle und kulturelle (!) Projekt bangen – oder sich verabschieden. Übrigens: Was jetzt nicht passieren darf – den Sparstift am „Wupperbogen“ anzusetzen. Dieser Teil des Bausch-Zentrums hat die Aufgabe, den „Hochkultur-Ort“ zur Stadtgesellschaft hin zu öffnen – im Idealfall frei und „straßentauglich“. Da braucht es kein Streich-Orchester, sondern ein tragfähiges Konzept. Und zwar bald. Wer liefert es?